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Berichterstattung über Migranten:Zerrbilder und Stereotypen

Fokus auf Kriminelle, Extremisten und Sozialmissbrauch: Fachleute kritisieren die Berichterstattung der Medien über Migranten - und das nicht nur im Boulevard. Auch seriöse Zeitungen und öffentlich-rechtliche Sender vergreifen sich im Ton.

Es sind nicht die besten Eindrücke, die sich mit den Begriffen Ausländer oder Migrant verbinden - zumindest lässt sich das über die meisten Presse- und Fernsehberichte in Deutschland sagen. Dieses Bild von Zuwanderern ist ein Zerrbild und es richtet großen Schaden an, so lautet der Tenor auf der Konferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Gemeinden in München.

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Zerrbild von Zuwanderern: Dass die Medien ein Negativbild von Migranten verbreiten, ist inzwischen durch Studien belegt.

(Foto: dpa)

Viele der gut 200 Fachleute zeigten sich entsetzt über weit verbreitete Stereotypen - und den Fokus auf Kriminelle, Extremisten und Sozialmissbrauch. Diese Sicht entfremde Zuwanderer und Einheimische voneinander. "Das Positive kommt nur als Kleingedrucktes", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) bei dem Treffen mit dem Titel "Wahrnehmung und Wirklichkeit".

Die Kritik trifft durchaus nicht nur den Boulevard, sondern auch seriöse Zeitungen und öffentlich-rechtliche Sender. So lassen sich selbst im Deutschlandradio grob zeichnende Sätze finden wie: "Drei Millionen schlecht integrierte Türken in Deutschland belasten Sozialstaat und Schulen und schüren Ressentiments." Quasi im Vorbeigehen wird da allen Türkischstämmigen die Integration abgesprochen.

Dass es dieses Negativbild vom Migranten gibt, ist mittlerweile durch Studien bestätigt. Wo das Zerrbild beginnt und wo die berechtigte Kritik an Migranten anfängt, diese schwierige Abgrenzungsfrage wurde nicht geklärt. Wichtiger war den Integrationsbeauftragten, dass mehr Erfolgsgeschichten von Migranten, mehr über das oftmals funktionierende Zusammenleben, mehr über den Wert der Migranten erscheint.

Die Beauftragten setzen ihre Hoffnung in mehr Journalisten aus Zuwandererfamilien, diese brächten für Berichte über Migration, aber auch für Auslandsthemen, das nötige Verständnis mit. Georg Ruhrmann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Jena, gestand zwar zu, dass mehr Migranten in die Redaktionen sollten.

"Über diese Themen können aber auch Einheimische berichten, wenn sie bereit sind, eine andere Perspektive einzunehmen." Entscheidend sei die Kompetenz, nicht die Herkunft. Die größte Integrationswirkung entfalten laut Ruhrmann ohnehin Unterhaltungsformate. Der deutsch-türkische Tatort-Kommissar Mehmet Kurtulus präge das Migrantenbild mehr als viele Nachrichtensendungen.

© SZ vom 11.05.2011/jube/hai

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