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BER:3289 Tage später

Wenn diesmal alles klappt, soll der Flughafen Berlin-Brandenburg im April 2020 den Probebetrieb starten und Ende Oktober eröffnet werden.

Von Jan Heidtmann, Berlin

Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) soll Ende kommenden Jahres eröffnet werden. "Am 31. Oktober 2020 werden die ersten Passagiere auf dem BER landen", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Freitagabend. Der Umzug von Tegel solle in drei Schritten geschehen, am 8. November werde der Flughafen im Westen der Stadt dann geschlossen. Der Flughafen Schönefeld bleibt bis auf Weiteres in Betrieb, vor allem für Billigflüge. Er sei optimistisch, "dass es diesmal klappt", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)

. Die Fertigstellung des Flughafens verzögert sich seit Jahren. Ein erster Eröffnungstermin für den 31. Oktober 2011 musste wegen der Pleite einer Planungsfirma abgesagt werden. Die darauf festgelegte Inbetriebnahme für Juni 2012 wurde wenige Wochen vorher aufgegeben, da der Flughafen wegen gravierender Mängel vor allem an der Brandschutzanlage nicht betriebsbereit war. In den Monaten und Jahren danach zeigten sich weitere grundlegende Konstruktionsfehler, mehrere angekündigte Eröffnungstermine konnten nicht gehalten werden. Der BER gilt in den Medien als "Deutschlands peinlichste Baustelle".

Im Berliner Abgeordnetenhaus läuft bereits der zweite Untersuchungsausschuss zum BER. Beim Spatenstich 2006 waren die Kosten noch auf zwei Milliarden Euro geschätzt worden, durch Verzögerungen, Baumängel und zusätzliche Bauten sind sie inzwischen auf weit mehr als sieben Milliarden angestiegen. Lütke Daldrup ist der vierte Flughafenchef, unter seinen Vorgängern war der bekannte Manager Hartmut Mehdorn. Wegen der fundamentalen Mängel vor allem an der Entrauchungsanlage wurde immer wieder spekuliert, der Rohbau müsse komplett abgerissen und der BER neu geplant werden. Der promovierte Stadtplaner Lütke Daldrup hat nun den Ehrgeiz, der Flughafenchef zu sein, der den BER eröffnet.

Die Chancen dafür sind gestiegen, doch die Zeit bis Oktober 2020 ist knapp bemessen. Zahlreiche Probleme des Baus sind zwar gelöst. Dazu gehört die aufwendige Brandmeldeanlage, die lange Zeit nicht störungsfrei arbeitete, aber auch die als "Monster" bekannte Entrauchungsanlage. Zu den kritischen Systemen der Gebäude zählten auch die Sprinkleranlage sowie die Automatiktüren, die einen Brandherd abschotten sollen. Sogenannte Wirk-Prinzip-Prüfungen des TÜV haben im Sommer gezeigt, dass sie auch im Verbund funktionieren. Vier von sieben Großsystemen seien erfolgreich auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft worden, heißt es bei der Flughafengesellschaft. Problematisch ist weiterhin das Zwischengeschoss von BER und Bahnhof. Es gilt als Schnittstelle bei einem Brand, eine Funktionsprüfung musste abgebrochen werden.

Sie soll im Januar wiederholt werden. Lütke Daldrup gibt sich dennoch entspannt, da erstmals seit dem Beginn des Baus die zentralen Systeme des Flughafens funktionierten. Der Rest seien "Details". Dazu gehören die Kabelstränge, die zu Zehntausenden Kilometern das Gebäude durchziehen. Noch im September hatte der TÜV 16 000 Mängel festgestellt, inzwischen sind es offenbar noch 2000. Abgenommen werden müssen auch unzählige Metalldübel, die noch unter alten Baubestimmungen verwendet worden sind.

Diese Schwachstellen müssen beseitigt sein, bevor die zuständige Baubehörde in Brandenburg bestätigen kann, dass der Flughafen fertiggestellt ist. Dies soll im Frühjahr 2020 geschehen, am 30. April könnte dann der Probebetrieb beginnen. Dafür werden rund 20 000 Komparsen gebraucht. Läuft alles glatt, nimmt die Flughafengesellschaft vom Frühjahr 2020 an Bewerbungen für die Rolle als Test-Passagier entgegen.

© SZ vom 30.11.2019

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