Bangladesch 30 Tote bei Straßenschlachten mit Islamisten

Radikale Muslime in Bangladesch fordern schärfere Strafen für Blasphemie. Hunderttausende sind dafür auf die Straße gegangen und haben die Hauptstadt belagert. Das Einschreiten der Polizei fordert 30 Tote.

Nach Protesten Hunderttausender radikaler Muslime für islamische Gesetze haben einige der Demonstranten in Bangladesch blutige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Bei den Kämpfen kamen nach offiziellen Angaben vom Montag 30 Menschen ums Leben, von denen vier Polizisten waren. Dutzende weitere wurden demnach verletzt, als die Demonstranten randalierten, während die Einsatzkräfte mit Tränengas, Lärmgranaten und Gummigeschossen gegen sie vorrückten.

Zehntausende verschanzten sich schon am Sonntagabend im Handels- und Finanzviertel Motijheel der Millionenmetropole Dhaka. Sie wüteten in Banken, Büros und Juweliergeschäften, griffen Buchläden und Überwachungskameras an - mehr als 100 Geschäfte wurden nach offiziellen Angaben zerstört und mindestens 50 Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Die Islamisten hätten eine Spur der Verwüstung hinterlassen, sagte Polizeisprecher Mehedi Hasan. Erst in den frühen Morgenstunden des Montags gelang es den mindestens 10.000 Mann von Polizei, Sondereinsatzkommandos und paramilitärischen Truppen, die Gegend zu räumen.

Forderung nach Todesstrafe für Verunglimpfung des Islams

Auch beim Rückzug legten die Islamisten in den Seitenstraßen weitere Brände, aus dem Viertel stiegen riesige schwarze Rauchsäulen auf. Vor dem Marsch in die Innenstadt hatten Hunderttausende Islamisten alle Zufahrtsstraßen in die Stadt abgeriegelt. Sie fordern die Einführung eines rigorosen Gesetzes gegen Gotteslästerung.

Aktivisten und Unterstützer der islamistischen Organisation Hefazat-e-Islam verlangen unter anderem die Todesstrafe für Verunglimpfung des Islams, verpflichtende islamische Erziehung sowie die Abschaffung der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in dem überwiegend muslimischen Land.

Premierministerin Sheikh Hasina hatte die Forderungen nach einem solchen Blasphemie-Gesetz stets zurückgewiesen. Informationsminister Hasanul Haq Inu bezeichnete die islamistische Gruppe am Montag als terroristische Organisation. Er versprach, die Verantwortlichen des Chaos würden zur Verantwortung gezogen.

Am Montag räumten Bulldozer die mit Steinen und Straßensperren übersäten Straßen frei, die Menschen trauten sich nach und nach wieder nach draußen. Das Innenministerium verbot alle Demonstrationen und Versammlungen.