Aufstand in Libyen:Alle saßen in Gaddafis Beduinenzelt

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Entscheidend ist, dass die Staatengemeinschaft sich militärisch nicht einmischt in die Kämpfe zwischen dem Überrest des Regimes und der landesweiten Opposition. Gaddafis Volk hat seinen Aufstand alleine begonnen. Es muss ihn alleine beenden. Die Libyer haben schon jetzt einen hohen Preis bezahlt. Der Blutzoll wird weiter steigen und es wird der Welt sehr schwer fallen, tatenlos zuzusehen: Der Oberst in Tripolis ist keiner, der aufgibt.

Anti-government tribal rebels prepare for possible attacks by pro-Gaddafi loyalists at a checkpoint in Ajdabiya

Sie begehren gegen den selbsternannten Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi auf: Aufständische in Ostlibyen.

(Foto: REUTERS)

Er wird sein letztes Aufgebot auf die Aufständischen hetzen, seine Söldner und Getreuen weiter schießen lassen. Dennoch steht fest: Sollten Nato-Jets Gaddafis Milizen jetzt bombardieren, würde diese Revolution ihre Legitimität verlieren. Die Menschen in Tobruk, Bengasi und Tripolis wollen keine Hilfe aus dem Ausland. Der Ruf der großen Industriestaaten ist bei ihnen seit langem ruiniert.

Den Bock zum Gärtner gemacht

Die Staats- und Regierungschefs, die Außenminister und Konzernführer - alle saßen sie in Gaddafis Beduinenzelt. Sie hörten sich brav die wirren Reden des eitlen Staatschefs an, der unterzeichnete dafür am Ende einträgliche Verträge. Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder war dabei, der Italiener Silvio Berlusconi, Franzosen, Amerikaner und Chinesen.

Die Vereinten Nationen nahmen Libyen in ihren Menschenrechtsrat auf und machten den Bock zum Gärtner. Gestört hat das nur wenige. Gaddafi-Sohn Saif al-Islam reiste währenddessen durch die Hauptstädte der Welt, verkaufte sich als Libyens Reformer, ausgezeichnet mit einem britischen Doktortitel. Er war auch in Deutschland. Jetzt hat der Sohn sich entlarvt als das Abziehbild seines Vaters: arrogant, brutal, ein kommender Diktator.

In Libyen selbst ist noch nichts entschieden. Der alte Gaddafi, der alle Züge eines Psychopathen aufweist, wusste schon vor den UN-Sanktionen keinen Ausweg mehr. Er sieht sich einem Volksaufstand gegenüber, der sich auch durch Reformen nicht mehr beenden lässt. Die Libyer haben nach der Gewaltorgie eine klare Forderung: Das Aus für Gaddafi. Der Gewaltmensch kann nur weiter gegen sein eigenes Volk kämpfen. Er kontrolliert nur noch einen Teil des Landes. Er kann die Macht zurückgewinnen oder untergehen. Flucht und Exil, der ruhige Alterssitz bei den Gleichgesinnten in Venezuela oder Bolivien, ist keine Option mehr.

Aber Gaddafi kommandiert noch immer seine Milizen, hat keine Hemmungen, sie einzusetzen. Wer zweifelt, sollte sich erinnern: 1996 ließ er 1200 Regimegegner ermorden - an einem Tag. Als die jüngste Revolte begann, ließ er schon am ersten Tag schießen: Außer Gewalt fällt diesem "Bruder Führer" nichts ein. Der Erfinder der "Dritten politischen Universaltheorie" mag ein megalomaner Irrer sein oder ein zynischer Machiavellist: Realist war er immer. Ihm bleibt die Wahl zwischen dem Tod im Palast, der Hinrichtung nach einem libyschen Prozess oder bestenfalls der Gefängniszelle in Den Haag. So, wie der Despot gestrickt ist, dürfte er sich für den Palast entscheiden, für den Kampf bis zur letzten Kugel.

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