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Aufstand in Ägypten:Die Psychologie des Pharao

Ägyptens Präsident Hosni Mubarak klammert sich an die Macht und bedient sich dabei einer perfiden Taktik: Er nutzt traditionelle Werte, um die Wut seines Volkes für sich zu instrumentalisieren.

Seit einer Woche kämpft Hosni Mubarak mit dem Rücken zur Wand, muss um die Macht fürchten. Regimegegner haben auf dem Tahrir-Platz seine Porträts verbrannt. Demonstranten riefen nach Gerichtsverfahren für den Präsidenten und seine Minister, "Volksgerichte" knüpften Stoffpuppen mit dem Bild Mubaraks auf. Die Revolution auf dem "Platz der Befreiung" schien fast am Ziel zu sein - nach 30 Jahren an der Macht schien das Ende Mubaraks besiegelt zu sein. Offenbar hatte der Freiheitswillen aufgeklärter Ägypter über die Kultur nahöstlicher Gewaltherrschaft gesiegt.

Pro Hosni Mubarak march in Cairo towards Tahrir Square

Fast hatte es so ausgesehen, als würden die Regierungsgegner gewinnen - dann gingen die Anhänger des Präsidenten auch auf die Straße.

(Foto: dpa)

Aber der Präsident hat die Nerven behalten und seine eigene Konterrevolution gestartet, den "ägyptischen Gegenaufstand". Mubarak hat Tausende seiner Anhänger gegen die Regimegegner auf dem Tahrir-Platz geschickt, gesteuert von seinen Regisseuren. Das kann in die Geschichte eingehen als eine Art Tiananmen-Massaker mit Messern und Knüppeln, mit Berittenen auf Pferden und Kamelen.

Während Mubaraks Gegner beim "Marsch der Million" am Dienstag in Kairo ein paar hunderttausend Menschen auf dem Befreiungsplatz versammeln konnten, mobilisierte der Autokrat seine Anhänger mit Hilfe seiner Regierungspartei NDP, der Polizei, der Dienste. Das funktioniert in Ägypten immer, wo doch die Partei und der Staatsapparat auf dem kleinsten Dorf präsent sind. Einigen der Pro-Mubarak-Demonstranten wird wohl Geld gezahlt worden sein.

Aber die meisten, die sich mit den Protestierenden auf dem Tahrir-Platz prügelten, werden von einem perfide manipulierten Gefühl angetrieben. Sie halten ihre blinde, gezielt angeheizte Wut für Vaterlandsliebe. Und dafür sind sie sogar bereit, andere Ägypter zu töten. Kennt Mubarak, der Pharao, seine Untertanen besser als die Opposition, die nach Freiheit ruft?

Das Staatsfernsehen verbreitet, die Oppositionellen seien Büttel staatsfeindlicher Mächte, die das Land in Brand setzen wollten. Der Oppositionsführer Mohamed ElBaradei sei vom Ausland gekauft, ein Mann der Amerikaner. Die internationalen Medien würden unfair berichten, gezielt das Bild Ägyptens beschmutzen. Mubarak hat einen Emotionscocktail gemixt, der im Nahen Osten immer funktioniert. Die Zutaten: Verräter gefährden die Nation. Die Ausländer sind die Puppenspieler. Und über allem thront der Patriarch. Weise, würdig, gelassen, streng. Nur er kann die Nation retten in der Stunde höchster Gefahr.