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Attentat in Dubai:Mossad-Affäre: London setzt Israel unter Druck

Die Mörder des Hamas-Führers al-Mabhuh, vermutlich Mossad-Agenten, missbrauchten die Passdaten britischer Bürger. Nun hat London Israels Botschafter einbestellt.

Der Fall sorgt in der englischen Presse für dicke Schlagzeilen. "Großbritannien bestellt israelischen Botschafter ein", titelt der Guardian. "Dubai zeigt mit dem Finger auf Mossad", formulieren die Kollegen von der Times.

Alle elf mutmaßlichen Mörder von al-Mabhuh besaßen gefälschte europäische Pässe, darunter auch Identitäten, die unschuldigen britischen Bürgern gehören.

(Foto: Foto: AFP)

Die Affäre um den Mord an einem ranghohen Hamas-Führer in Dubai wird zur Großbelastung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel. Der Ton verschärft sich. Hatte der israelische Geheimdienst Mossad die Finger im Spiel, wie viele Experten nach Ansicht der Videos meinen, die in einem Luxushotel in Dubai entstanden?

Identitäten von sechs britischen Bürgern missbraucht Am Mittwochabend zitierte das britische Außenministerium den israelischen Botschafter ein - offiziell, um "Informationen zu teilen". Hintergrund ist, dass der Mossad womöglich den mutmaßlichen elf Tätern gefälschte Pässen organisierte - darunter auch von sechs unschuldigen britischen Bürgern, die in Israel leben. Diese Fake-Dokumente benutzten die Mörder von Dubai für ihre Einreise.

Angeblich bat Israel, die diplomatischen Verwicklungen diskret zu halten, doch danach richtet sich die britische Regierung nicht. Schon vorher waren die Beziehungen abgekühlt, nun liegen sie gewissermaßen auf Eis.

"Der britische Pass ist ein wichtiger Teil der britischen Identität", sagte Premierminister Gordon Brown, "und wir müssen sicherstellen, dass alles getan wird, dies zu schützen."

Die Polizei von Dubai verdächtigt insgesamt zehn Männer und eine Frau, den Hamas-Funktionär Mahmud Abdel Rauf al-Mabhuh am 20. Januar getötet zu haben. Alle waren mit gefälschten Pässen verschiedener europäischer Staaten nach Dubai eingereist.

Israel weist Vorwürfe zurück

Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im britischen Parlament, Mike Gapes, erklärte, wenn nicht Israel für die Tat verantwortlich sei, "dann hat jemand versucht, es so aussehen zu lassen, als seien es die Israelis".

Der Polizeichef von Dubai glaubt: "Alle Elemente zeigen stark die Einbeziehung des Mossad an." Premier Brown kündigt eine vollständige Untersuchung der Affäre an.

Israel wies die Vorwürfe indirekt zurück, allerdings verzichtete Außenminister Avigdor Lieberman auf ein ausdrückliches Dementi. Er sagte lediglich, es sei nicht in Ordnung, dass man es für selbstverständlich halte, dass Israel oder der Mossad die Pässe oder Identitäten britischer Bürger benutzt hätten. Dies könne auch ein anderer Geheimdienst oder ein anderes Land gewesen sein.

Die Affäre ist deshalb brisant, weil israelische Geheimdienstkommandos schon mehrfach mit gefälschten ausländischen Pässen, auch britischen, operiert haben.

Lesen Sie auf Seite zwei, wann der Mossad schon einmal britische Pässe fälschte und was die betroffenen Bürger sagen, deren Identitäten nun missbraucht wurden.

Im Video: Israels Regierung lässt offen, ob der Geheimdienst Mossad mit gefälschten Pässen am Tod des Hamas-Befehlshabers Al-Mabhuh beteiligt war.

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