Atomstreit Worauf es bei den Verhandlungen mit Iran ankommt

Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif und der Leiter der iranischen Atombehörde Ali Akbar Salehi diskutieren in einer Verhandlungspause in Lausanne.

(Foto: REUTERS)
  • Die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland (P5+1) verhandeln in Lausanne, um den Atomkonflikt mit Iran beizulegen.
  • Bis zum 31. März haben sich die Parteien Zeit gegeben, eine politische Übereinkunft zu treffen.
  • Es geht auch darum, Iran dazu zu bringen, zuzugeben, dass es bereits versucht hat, die Atombombe zu bauen.
Von Paul-Anton Krüger und Georg Mascolo, Lausanne

1923 wurde im Hotel Beau Rivage Palace der unselige Vertrag von Lausanne geschlossen, der den türkisch-griechischen Krieg beilegte und riesige Umsiedlungen nach sich zog. Heute verhandeln hier die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland (P5+1), um den Atomkonflikt mit Iran beizulegen, der seit mehr als einer Dekade schwelt und schon mehrmals drohte, die Welt an den Rand eines Krieges zu führen. Bis zum 31. März haben sich die Parteien Zeit gegeben, eine politische Übereinkunft zu treffen, bis Ende Juni soll dann der Text eines Abkommens auf Punkt und Komma stehen.

"Ich denke, dass unsere Nationen eine historische Möglichkeit haben, diese Frage friedlich zu lösen - eine Möglichkeit, die wir nicht verpassen sollten", sagte US-Präsident Barack Obama in einer Botschaft an das iranische Volk und die Teheraner Staatsführung anlässlich des iranischen Neujahrsfests. "Dieser Moment kommt womöglich nicht so bald wieder."

Die Chancen auf Einigung beziffern Verhandlungsteilnehmer auf 50:50. Die Verhandlungen wurden am Freitagnachmittag unterbrochen und sollen Mitte nächster Woche fortgesetzt werden. Gerungen wird derzeit noch über beinahe alle zentralen Punkte, von der Laufzeit eines Abkommens bis zur Anzahl der Zentrifugen, mit denen Iran künftig noch Uran anreichern dürfe - den Stoff, aus dem sich Energie und Isotope für die Medizin gewinnen lassen. Aber eben auch der Stoff für die Bombe.

Im Mittelpunkt der Debatten steht, was die Diplomaten Ausbruchsfähigkeit nennen, also eine komplizierte Formel, wie lange Iran mit wie vielen Zentrifugen bräuchte, um genug hochangereichertes Uran für einen Sprengsatz zu produzieren. Mindestens ein Jahr soll dieser Zeitraum betragen, so fordern es die UN-Vetomächte und die Deutschen. Die Amerikaner haben ihre Atomwaffenlabors rechnen lassen, nicht ohne Grund nimmt an den Gesprächen US-Energieminister Ernest Moniz teil, dem diese Forschungsstätten unterstehen.

Kann man den Iranern trauen?

Das Auswärtige Amt hat die Anreicherungsexperten von Urenco hinzugezogen, jenes deutsch-niederländisch-britische Konsortium, das in Groningen eine der modernsten Anreicherungsanlagen der Welt betreibt - und mit der iranischen Technologie gut vertraut ist. Letztlich stammt sie ursprünglich sogar von dem Unternehmen: Der pakistanische Atomschmuggler Abdul Qadir Khan hatte in den Siebzigerjahren bei Urenco Pläne für die komplexen Maschinen gestohlen und sie später unter anderem an Iran weiterverkauft.

Wie immer ein Abkommen in den Details auch aussehen mag, es nimmt Iran nicht die Technologie, die nötig ist, um das Spaltmaterial für eine Bombe herzustellen - und auch nicht das Know-how, wie man einen Sprengkopf baut, über das seine Techniker aller Wahrscheinlichkeit nach verfügen. Es zieht nur einen Sicherheitsabstand ein, der genug Zeit lassen soll für eine Reaktion, sollte das Regime in Teheran allen Beteuerungen zum Trotz doch nach der ultimativen Waffe greifen. Die Frage ist letztlich: Kann man den Iranern trauen? Oder lassen sich zumindest Kontrollmechanismen ersinnen, die sicherstellen, dass es nicht unbemerkt bleibt, wenn sie vertragsbrüchig werden sollten?