Atomkatastrophe in Japan: Fragen und Antworten Was passiert mit den verbrauchten Brennstäben?

Im Block 4 hat es am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit einen Brand und eine Explosion im Abklinglager für gebrauchte Brennelemente gegeben. Diese werden einige Jahre lang in einem Wasserbecken aufbewahrt, das in Siedewasserreaktoren wie den Fukushima-Blöcken im Dachgeschoss des Reaktorgebäudes eingebaut ist. Das Wasser dämpft die austretende Strahlung und nimmt die Nachwärme auf; ungekühlt könnten die Elemente schmelzen.

Offenbar hatte in Block 4 auch die Kühlung des Beckens versagt, sodass das Wasser verkochen konnte, oder der Pegel ist aus anderen Gründen gefallen. Dann dürfte sich Wasserstoff an den erhitzten Brennelementen gebildet haben, der später explodierte. Das Feuer wurde gelöscht, aber der Brand hat durch die beschädigte Gebäudehülle viel Radioaktivität in die Atmosphäre getragen.

Dieses Ereignis lenkt die Aufmerksamkeit auf die Abklingbecken anderer Blöcke, die alle nur durch die Gebäudehülle geschützt sind. Da die Reaktoren 1 und 3 ihr Dach verloren haben, sind die Lager womöglich nun direkt der Umwelt ausgesetzt. Über die Zustände in den Becken gibt es keine Informationen. Der Verband der japanischen Atomindustrie vermerkt seit Dienstagmittag deutscher Zeit jedoch, dass in den Abklingbecken der Meiler 5 und 6, die bisher als sicher galten, die Temperatur steigt. In den Lagern können ebenso viele Brennelemente stehen wie im Reaktorkern. Ihr nukleares Inventar ist gefährlich, weil sie viel strahlende Spaltprodukte enthalten.

In der Wiederaufbereitungsanlage in Rokkasho in Nordjapan hat sich die Naturkatastrophe hingegen vergleichsweise glimpflich ausgewirkt. Auch diese Anlagen, in denen gebrauchte Brennelemente verwahrt und zu neuem Nuklearmaterial verarbeitet werden, sind auf funktionierende Kühlung angewiesen. Im Gegensatz zum Atomkraftwerk in Fukushima sprangen dort jedoch die Dieselgeneratoren problemlos an.

Am Freitagabend und Samstag mussten die Ingenieure zwei Lecks flicken. Noch am Sonntag wurden die Wiederaufbereitungsanlage und die Urananreicherung wieder auf externen Strom umgestellt, am Dienstagmorgen folgte die Kühlung für das Abklingbecken. Erhöhte Radioaktivität sei in der Umgebung nicht gemessen worden, meldet der Betreiber.

(cris/weis)