Atomausstieg in Deutschland:Künstliche Seen mit Windrotoren? Wieso nicht?

Lesezeit: 3 min

Mit fast 18 Prozent Ökostrom liegt Deutschland bereits heute vor vielen anderen entwickelten Ländern. Sollte der Anteil steigen wie in den vergangenen Jahren, wird sich der Wegfall der Kernkraftwerke in der angestrebten Dekade bis 2021 ausgleichen lassen. Zumal wenn das Bewusstsein für effizienten Energieverbrauch in Haushalten und Fabriken steigt. Zweifellos bleiben gewaltige Herausforderungen. Zum Beispiel wird die Stromerzeugung aufgrund der wechselnden Windstärken und der oft sonnenarmen Tage in Deutschland stark schwanken. Neue Infrastruktur, die Strom zwischenspeichert und intelligent verteilt, ist daher nötig.

Mit Hochdruck arbeiten Ingenieure bereits an smart grids, engmaschigen Stromnetzen, die Energie effizient und punktgenau von den Quellen zu den Verbrauchern bringen. Einige Techniken zum kurzfristigen Zwischenspeichern von Energie muten derzeit noch bizarr an: künstliche Badeseen zum Beispiel, die je nach Wasserstand Energie aus Windrotoren aufnehmen oder abgeben. Andererseits: Wieso nicht? War es früher nicht das Markenzeichen deutscher Ingenieurskunst, dass man Verrücktes erdachte, und manches davon tatsächlich realisierte?

Die deutschen Stromversorger werden weiter dafür kämpfen, ihre Kernkraftwerke als billige Arbeitspferde zu behalten. Manche Kostenrechnung, die jetzt für den Ausstieg aus der Kernenergie präsentiert wird, ist jedoch reine Angstmacherei. Die Chancen, die ein so oder so kommendes solares Zeitalter bietet, sollte niemand arglistig verschweigen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema