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Präsidentenwahl:Richtungswechsel in Argentinien

  • Amtsinhaber Mauricio Macri verliert schon in der ersten Abstimmungsrunde gegen seinen Gegenkandidaten Alberto Fernández.
  • Damit kehrt auch Argentiniens ehemalige Regierungschefin Cristina Fernández de Kirchner zurück ins Amt: Sie wird Vizepräsidentin.
  • Ein Drittel der Bevölkerung lebt in Argentinien mittlerweile unter der Armutsgrenze, die Inflation gilt als eine der höchsten der Welt.

Bei den Präsidentschaftswahlen haben die Argentinier am Sonntag für einen Machtwechsel gestimmt. Mehr als 47 Prozent wählten nach offiziellen Teilergebnissen Alberto Fernández, einen gemäßigten Peronisten. Sie stimmten damit auch für Argentiniens Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die mit Fernández gemeinsam antrat.

Das ist eine herbe Niederlage für den wirtschaftsliberalen Amtsinhaber Mauricio Macri. Seit 2015 regiert er das Land und war bei den Wahlen nun für eine zweite Amtszeit angetreten. Allerdings unterlag er nach aktuellem Stand mit 41 Prozent der Stimmen klar seinen Herausforderern.

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Viele Wähler geben ihm die Schuld an der schweren Wirtschaftskrise in Argentinien. Macri war angetreten mit dem Versprechen, die Inflation zu senken und die Armut auf Null zu reduzieren. Er öffnete die Wirtschaft, einigte sich mit Gläubigern und beendete Kapitalkontrollen. Der Unternehmer und ehemalige Manager des Fußballklubs Boca Juniors wollte so Investoren ins Land locken, diese kamen aber nur zögerlich, Macris Regierung geriet zunehmend in Geldnöte. Trotz eines Rekorddarlehens bei Internationalen Währungsfonds über mehr als 56 Milliarden Dollar kam die Wirtschaft nicht wieder in Fahrt. Ein Drittel der Bevölkerung lebt mittlerweile unter der Armutsgrenze, die Inflation gilt als eine der höchsten der Welt und allein im vergangenen Jahr hat der Peso fast die Hälfte seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren.

Mit Alberto Fernández kehren nun die Peronisten zurück an die Macht. Der Jurist war von 2003 bis 2008 Kabinettsleiter unter der Regierung von Néstor Kirchner und seiner Frau und Nachfolgerin Cristina Fernández de Kirchner, bis er sich mit dieser über Fragen zur Besteuerung von landwirtschaftlichen Exporten überwarf. Dass Fernández und Fernández de Kirchner nun gemeinsam als Präsident und Vizepräsidenten bei den Wahlen angetreten sind, kam für viele ihrer Gegner unerwartet. Man war stets davon ausgegangen, dass Kirchner selbst als Präsidentin kandidieren würde. Die Amtsvorgängerin von Mauricio Macri hat das Land von 2007 bis 2015 regiert und gilt als eine der umstrittensten Politikerinnen des Landes. In mehr als einem Dutzend Verfahren ist sie wegen Korruption angeklagt, gleichzeitig verfügt sie über Hunderttausende treue Verehrer.

Mir ihr als Vizepräsidentin und Fernández als Präsident vereinten sich die traditionell zerstrittenen Lager der peronistischen Partei zu dem breiten Wahlbündnis Frente de Todos. Schon bei den Vorwahlen im August konnten sie 15 Prozent mehr Stimmen als Amtsinhaber Macri erreichen. Der unerwartet hohe Sieg der Peronisten führte zu einer Panik bei Investoren. Die Kurse an den Börsen stürzten ab, der Peso verlor dramatisch an Wert.

Noch ist unklar, wie Fernández und Kirchner das Land aus der schweren Krise führen wollen. Die Amtsübergabe ist für den 10. Dezember geplant.

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