Argentinien:Mordversuch an Cristina Kirchner

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Argentinien: So populär wie umstritten: Ein Transparent mit Cristina Kirchners Porträt hängt am Morgen nach dem Attentatsversuch an einem Regierungsgebäude in Buenos Aires.

So populär wie umstritten: Ein Transparent mit Cristina Kirchners Porträt hängt am Morgen nach dem Attentatsversuch an einem Regierungsgebäude in Buenos Aires.

(Foto: Rodrigo Abd/dpa)

Ein Attentat auf die frühere Präsidentin und heutige Vize-Präsidentin scheitert offenbar nur, weil die Waffe des Täters versagte.

Argentiniens Ex-Präsidentin Cristina Kirchner ist nach Angaben von Staatschef Alberto Fernández nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Ein Bewaffneter hielt der 69-Jährigen am Donnerstagabend (Ortszeit) vor ihrem Haus in Buenos Aires eine geladene Waffe ins Gesicht. Fernández berichtete im Fernsehen, der Angreifer habe auch den Abzug gezogen, doch habe sich kein Schuss gelöst. Der mutmaßliche Attentäter wurde festgenommen. Kirchner blieb offenbar unverletzt. Gegen die derzeitige Vizepräsidentin läuft ein Korruptionsprozess. "Cristina ist noch am Leben, weil die Waffe, die fünf Kugeln enthielt, aus einem technisch noch nicht bestätigten Grund nicht geschossen hat, obwohl abgedrückt wurde", sagte der Präsident.

Kirchner war Staatspräsidentin von 2007 bis 2015 und hat noch großen Einfluss. Sie steht für den linken Flügel der Regierungskoalition. Ihr Mann war der 2010 verstorbene frühere Präsident Néstor Kirchner. Auf Videos ist zu sehen, wie die Politikerin gegen 21Uhr an ihrem Haus eintrifft, wo wie seit Tagen viele ihrer Anhänger warteten. Plötzlich zielt ihr aus der Menge heraus jemand aus nächster Nähe ins Gesicht. Sie duckt sich und hält schützend die Hand hoch.

Augenzeugen berichteten, das Abdrücken des Abzugs sei zu hören gewesen. Der 35 Jahre alte Mann, angeblich Brasilianer, sei von Anwesenden und den Leibwächtern überwältigt worden. Zudem sei eine Pistole gefunden worden. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Fernández sprach vom schwerwiegendsten politischen Vorfall seit Ende der Militärdiktatur (1976-1983) in Argentinien. Der Staatschef erklärte den Freitag zum Feiertag, weil der soziale Frieden im Land gestört worden sei. Die Bevölkerung solle Gelegenheit erhalten, sich "in Frieden und Harmonie" zur Verteidigung der Demokratie und des Friedens zu äußern und Solidarität zu bekunden.

Die Politikerin ist wegen umfangreicher Korruptionsvorwürfe angeklagt

Kirchners Anwalt Gregorio Dalbón sagte, der Angriff sei Resultat des Hasses und öffentlicher Drohungen gegen die Politikerin. Alles müsse aufgeklärt werden. In Medien wurde gefragt, wie der Angreifer so nah an Kirchner herankommen konnte. Vor ihrem Haus spielten sich in den Tagen zuvor chaotische Szenen ab. Viele Anhänger kampieren als Unterstützung für die so populäre wie umstrittene Politikerin auf der Straße.

In einem Korruptionsprozess forderte die Staatsanwaltschaft kürzlich zwölf Jahre Haft und lebenslange Sperre für öffentliche Ämter für Kirchner. Sie soll eine kriminelle Vereinigung angeführt und den Staat um umgerechnet etwa eine Milliarde Euro gebracht haben. Mit ihrem Mann habe sie einem Bauunternehmer ohne Ausschreibung öffentliche Aufträge beschafft. Kirchner weist die Vorwürfe zurück und wirft der Justiz vor, aus politischen Motiven zu ermitteln.

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