Anschlag vor iranischer Botschaft Syrien-Konflikt greift auf Libanon über

Rache für die Opfer von Assad: Der Anschlag vor der iranischen Botschaft in Libanons Hauptstadt Beirut geht auf sunnitische Extremisten zurück. Der Bürgerkrieg schwappt damit ins ohnehin instabile Nachbarland über.

Von Tomas Avenarius, Kairo

Bei einem Bombenanschlag auf die iranische Botschaft in Libanon sind mindestens 24 Menschen getötet worden. Durch den Beiruter Doppelanschlag, für den sunnitische Extremisten aus dem Libanon die Verantwortung übernahmen und bei dem auch ein iranischer Diplomat starb, könnte der syrische Bürgerkrieg auf das kleine Nachbarland übergreifen.

Das Motiv der Extremisten liegt auf der Hand. Iran ist der wichtigste Partner Präsident Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg und finanziert zudem die libanesische Hisbollah, die ebenfalls an der Seite des syrischen Regimes einen sunnitischen Aufstand bekämpft. Die Aufständischen wiederum finden Unterstützung bei militanten Sunniten in Libanon. Das multireligiöse Mittelmeerland hat eine schwache Zentralregierung, die nun weiter geschwächt werden könnte, sodass auch hier ein Bürgerkrieg auszubrechen droht.

Die Anschläge fanden vor der Außenmauer der stark gesicherten Botschaft Irans statt. Der getötete Diplomat, ein Kulturattaché, befand sich offenbar nahe dem Eingang. Mindestens eine der zwei Bomben wurde von einem Selbstmordattentäter direkt am Eingangstor gezündet. Die andere Bombe war offenbar in einem Auto versteckt. Die Botschaft liegt in einem der südlichen Stadtviertel Beiruts, das von Anhängern der Hisbollah bewohnt wird.

Kurz nach dem Attentat meldete sich die al-Qaida-nahe libanesische Abdullah-Azzam-Brigade zu Wort und stellte den Anschlag als Racheakt für die Politik Irans dar. "Der Märtyrereinsatz wurde von zwei sunnitischen Helden aus dem Libanon durchgeführt." Die Angriffe würden erst eingestellt, wenn die Hisbollah sich aus Syrien zurückziehe. Die militante Brigade benennt sich nach einem Weggefährten Osama bin Ladens: Der Palästinenser Azzam gilt als eigentlicher Vater von al-Qaida.

Der iranische Botschafter in Libanon, Ghazanfar Roknabi, sagte: "Wer in der derzeitigen Situation einen solchen Anschlag verübt, der nimmt wissentlich oder unwissentlich in Kauf, den Interessen der Zionisten zu dienen." Obwohl es keine Hinweise auf eine Verwicklung Israels in das Attentat gibt, griff auch die Hisbollah den jüdischen Staat, ihren Erzfeind, an. Ein Sprecher der Schiitenmiliz unterstellte indirekt, die Israelis arbeiteten mit den syrischen Rebellen zusammen: "Wer immer für den Anschlag verantwortlich ist, ist ein terroristisches Monster. Unser Widerstand geht weiter. Wir werden Israel und die Terroristen besiegen."

Der Anschlag ist nicht der erste in Libanon, der mit dem syrischen Bürgerkrieg zusammenhängt. Im Lauf des Jahres waren bereits drei Bomben in Schiitenvierteln Beiruts explodiert. Später wurden Anschläge auf zwei Moscheen radikaler Sunniten in der Stadt Tripoli verübt. Diese Anschläge zeigen, dass der syrische Konflikt zunehmend auch im Nachbarland ausgetragen wird. Die Hisbollah mit ihrer Miliz, die einer Armee gleicht, ist die weitaus stärkste Kraft in Libanon. Sie ist eng mit Iran verbündet und wird von Teheran mitfinanziert. Die libanesischen Sunniten und die anderen Religionsgruppen des Landes haben aber auch Milizen und entsenden ebenfalls Kämpfer nach Syrien.