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Libyen:USA fassen mutmaßlichen Drahtzieher des Bengasi-Anschlags

Ein Bewaffneter winkt am 11. September 2012 mit seinem Gewehr, während hinter ihm Gebäude und Autos des US-Konsulats in Bengasi in Flammen stehen.

(Foto: AFP)

US-Spezialeinheiten haben in Libyen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Attacke auf das US-Konsulat in Bengasi festgenommen. Dem Pentagon zufolge befindet er sich auf einem Schiff außerhalb des nordafrikanischen Landes und wird in die USA gebracht.

Mehr als anderthalb Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi haben die USA den mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags gefasst. Eine US-Spezialeinheit habe den Verdächtigen Ahmed Abu Khatallah bei einer geheimen Kommandoaktion in Libyen festgenommen, teilte Pentagon-Sprecher John Kirby mit. Alle an dem Einsatz am Sonntag beteiligten US-Soldaten hätten das nordafrikanische Land wieder unversehrt verlassen.

Khatallah, der Gründer und Führer der libyschen islamistischen Terrorgruppe Ansar al-Scharia, werde derzeit auf einem Schiff außerhalb des nordafrikanischen Landes festgehalten und in die USA gebracht, sagte ein US-Regierungsmitarbeiter. Er erwarte nun seinen Gerichtsprozess.

Nach Angaben des Pentagon war er eine "Schlüsselfigur" des Angriffs vom 11. September 2012, bei dem der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten ums Leben kamen.

"Wir werden immer diejenigen verfolgen, die uns verfolgen"

Khattalah, der persönlich am Anschlag beteiligt gewesen sein soll, ist in drei Punkten angeklagt, unter ihnen Mord und Terrorismus. Er werde nun das "volle Gewicht" der amerikanischen Justiz zu spüren bekommen, teilte Präsident Barack Obama mit. Er selbst habe den Einsatz in Libyen erst kürzlich autorisiert.

Die USA würden weiterhin alles tun, um die Verantwortlichen des Angriffs zur Rechenschaft zu bringen. "Wir werden immer diejenigen verfolgen, die uns verfolgen", sagte Obama während eines Besuchs in Pittsburgh.

Khattalah war im Januar von den USA als Terrorist eingestuft und später vom Außenministerium als "ranghoher Führer" der militanten Gruppe Ansar al-Scharia bezeichnet worden. Der Einsatz in Libyen folgt auf vergleichbare Operationen von Spezialeinheiten im norden Afrikas gegen mutmaßliche Führer terroristischer Gruppen.

Attacke hätte verhindert werden können

Das Thema Begasi ist in den USA parteipolitisch stark aufgeladen: Die oppositionellen Republikaner werfen der Regierung von Präsident Barack Obama Versagen vor, weil das Außenministerium im Vorfeld Hinweise auf Sicherheitslücken in Bengasi und die Bedrohung durch Extremisten ignoriert haben soll.

Ein im Januar veröffentlichter Bericht des Senats kam zu dem Schluss, dass die Attacke hätte verhindert werden können. Kürzlich richtete auch das Repräsentantenhaus einen Untersuchungsausschuss zu Bengasi ein.

Nach dem Anschlag im September 2012 hatten die Republikaner den Präsidenten außerdem beschuldigt, den terroristischen Hintergrund anfänglich verheimlicht zu haben. Damals befand sich Obama mitten im Wahlkampf gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Vertreter der Regierung hatten die Attacke zunächst als spontanen Protest gegen ein in den USA produziertes anti-islamisches Schmähvideo dargestellt. Erst später schwenkte Obamas Regierungsmannschaft geschlossen auf die Linie ein, dass islamistische Extremisten für den Angriff verantwortlich gewesen seien.