Gewalttätiger Angriff nach Mohammed-Film US-Regierung bestätigt Tod des Botschafters in Libyen

Bei einem Angriff auf das amerikanische Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi sind vier Menschen ums Leben gekommen - darunter auch der Botschafter. Die US-Regierung hat den Tod des Diplomaten bestätigt. Er soll an einer Rauchvergiftung gestorben sein, nachdem Islamisten das Gebäude mit Raketen beschossen haben.

Bei dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi sind insgesamt vier Diplomaten getötet worden. Unter den Opfern ist auch der US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens. Das hat das Weiße Haus nach Berichten mehrerer US-Medien inzwischen bestätigt.

US-Präsident Obama verurteilte den "abscheulichen Angriff" auf die diplomatische Vertreung in Bengasi. Über den getöteten Botschafter Chris Stevens sagte der Präsident: "Chris war ein mutiger und außergewöhnlicher Repräsentant der Vereinigten Staaten."

Zugleich ordnete Obamar einen größeren Schutz des US-Personals in Libyen und eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an allen diplomatischen Vertretungen der USA weltweit an.

Das US-Außenministerium hatte nach dem Angriff in einer ersten Reaktion zunächst nur von einem getöteten Mitarbeiter des Konsulats gesprochen.

Nach Berichten arabischer TV-Sender wurden die Leichen der vier Diplomaten ins Krankenhaus von Bengasi gebracht, von wo aus sie auf einen US-Stützpunkt in Deutschland geflogen werden sollen. Weiter hieß es, der Botschafter sei an einer Rauchvergiftung gestorben, nachdem militante Islamisten Brandbomben auf das Konsulat geworfen hatten. Demnach soll es beim dem Vorfall auch Verletzte gegeben haben. Die Angreifer hätten außerdem Panzerfäuste eingesetzt.

Auslöser war ein angeblich islamfeindlicher Film

Unmittelbarer Auslöser für die neuen Gewaltaktionen ist der auf YouTube veröffentlichte Trailer eines angeblich islamfeindlichen Films. In dem 14 Minuten langen Video werde der Prophet Mohammed als Trottel, Frauenheld, Homosexueller, Kinderschänder sowie gieriger und blutdürstiger Gangster dargestellt, berichtete die New York Times. Im Islam ist die Darstellung Gottes oder des Propheten Mohammed verboten.

Autor, Regisseur und Produzent des Films ist nach Informationen des Wall Street Journals der Amerikaner Sam Bacile. Der 52-Jährige habe sowohl die israelische als auch die US-Staatsbürgerschaft. Für den zwei Stunden langen Film habe er fünf Millionen Dollar von etwa 100 jüdischen Spendern eingesammelt. Bacile wolle zeigen, dass der Islam eine hasserfüllte Religion sei, zitiert das Blatt aus einem Telefoninterview. "Islam ist wie Krebs", sagte Bacile demnach.

Der vollständige Film ist nach Angaben des Autors noch nicht gezeigt worden. Angebote für einen Vertrieb habe er bisher abgelehnt. Allerdings ist der Trailer nach Angaben des Wall Street Journal bereits seit Juli auf YouTube abrufbar. Aufmerksamkeit habe die Filmvorschau erregt, seit sich der als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Terry Jones aus Florida für den Film eingesetzt habe. Eine Koran-Verbrennung in der Kirche von Jones hatte im März vergangenen Jahres gewalttätige Proteste von Muslimen ausgelöst.

Für die Verbreitung in der arabsichen Welt sorgte außerdem der in Ägypten geborene Christ Morris Sadek. Er bewarb das Video auf seiner Website und in diversen Fernsehsendern. Sowohl Baciel als auch Sadek betonten, der Film zeige, wie koptische Christen in Ägypten unterdrückt würden. Die ägyptischen Medien berichten seit mehreren Tagen über den Film und zeigten Ausschnitte.

Bacile erklärte nach den Angriffen, er habe mit solch einer Reaktion nicht gerechnet. "Es tut mir leid für die Botschaft", erklärte er. "Ich bin wütend."

Demonstranten reißen US-Flagge herunter

Nicht nur in Libyen gab es in den vergangenen Tagen antiamerikanische Ausschreitungen. Auch vor der US-Botschaft in Kairo demonstrierten am Dienstagabend Hunderte aufgebrachte Islamisten. Einigen gelang es, die Mauern der Vertretung zu erklettern, die amerikanische Flagge herunterzureißen und eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift zu hissen. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten.

In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage unter Kontrolle zu bringen". Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt.

Diese Erklärung veranlasste den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zu heftiger Kritik an der Regierung von Präsident Obama. Diese habe in ihrer ersten Reaktion nicht etwa die Angriffe verurteilt, sondern Verständnis für die Täter gezeigt, sagte er. Das sei eine Schande.

Die Stellungnahme, die sich offensichtlich auf das Video bezog, wurde veröffentlicht, bevor der Todesfall in Libyen bekannt wurde. Etwa zeitgleich mit Romney verurteilte US-Außenministerin Hillary Clinton die Angriffe. Einige hätten offenbar versucht, die Gewalt als Reaktion auf aufrührerisches Material im Internet zu rechtfertigen, erklärte sie. Für Gewalt dieser Art gebe es jedoch keine Rechtfertigung.