Anschlag auf Militärparade Teheran bestellt europäische Diplomaten ein

Zivilisten und Streitkräfte flüchten nach dem Angriff auf eine Militärparade in Ahwas. Das Foto wurde von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim zur Verfügung gestellt.

(Foto: dpa)
  • Irans Führung bestellt nach einem Anschlag in der Stadt Ahwas diplomatische Vertreter dreier europäischer Staaten ein.
  • Die Regierung wirft Großbritannien, den Niederlanden und Dänemark vor, nicht hart genug gegen die Mitglieder von Terrorgruppen vorzugehen.
  • Sowohl der sogenannte Islamische Staat als auch die sunnitische Separatistengruppe Al-Ahwasieh reklamieren den Angriff für sich.

Nach einem Anschlag auf eine Militärparade in der iranischen Stadt Ahwas mit Dutzenden Toten hat die iranische Führung in Teheran am Samstagabend diplomatische Vertreter dreier europäischer Staaten einbestellt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna vom Sonntagmorgen handelte es sich dabei um die Botschafter von Dänemark und den Niederlanden sowie um den britischen Geschäftsträger.

Die iranische Führung habe so dagegen protestiert, "dass die drei Staaten einigen Mitgliedern der Terrorgruppe, die für den Anschlag in Ahwas verantwortlich zeichne, Zuflucht gewährten". "Es ist nicht akzeptabel, dass die Europäische Union Mitglieder dieser Terrorgruppen nicht auf eine schwarze Liste setzt, solange diese auf europäischem Boden keine Straftaten begehen", wurde Außenamtssprecher Bahram Qasem zitiert.

Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Er machte dafür eine "Konspiration durch US-gestützte Regimes in der Region" verantwortlich, die im Land Unsicherheit schüren wollten. Irans Präsident Hassan Rohani drohte mit einer "vernichtenden Antwort" auf die Attacke.

Bei dem Anschlag wurden am Samstag nach offiziellen Angaben mindestens 25 Menschen getötet, die Nachrichtenagentur AFP spricht von 29 Toten. Iranischen Medienberichten zufolge schossen die Täter während der Parade auf Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden und in die Zuschauermenge. Anschließend hätten die Angreifer versucht, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Daraufhin hätten Sicherheitskräfte zurückgeschossen.

Bei dem Anschlag kamen nach Angaben der Agentur Irna nicht nur Soldaten ums Leben, sondern auch Zivilisten, unter ihnen Kinder. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schweben noch in Lebensgefahr.

Unterschiedliche Angaben über die Täter

Der Anschlag ist der schwerste dieser Art in Iran in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2017 hatten IS-Anhänger in der Hauptstadt Teheran das iranische Parlament und das Mausoleum des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini angegriffen. Damals wurden 18 Menschen getötet.

Bei den Tätern handelt es sich nach Angaben der Revolutionsgarden um vier Mitglieder einer sunnitischen Separatistengruppe namens al-Ahwasieh. Die Gruppe hat mittlerweile die Verantwortung für den Angriff übernommen. Teheran zufolge wird die Gruppe von Saudi-Arabien unterstützt. Ihre Mitglieder sollen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein.

Wenige Stunden nach der Tat bekannte sich dann der IS über sein Sprachrohr Amak zu dem Anschlag. Für die sunnitische Terrormiliz ist das schiitisch Land Iran ein Erzfeind. Von Iran gesponserte Milizen sind sowohl in Syrien als auch im Irak im Einsatz. Über das Schicksal der vier Schützen gibt es unterschiedliche Berichte. Zunächst hieß es, zwei seien erschossen und zwei verhaftet worden. Später sagte ein Militärsprecher, drei Angreifer seien vor Ort getötet worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verletzungen erlegen.

Dutzende Tote und Verletzte bei Angriff auf Militärparade

Die Schützen gehörten offenbar zur Separatistengruppe "Al-Ahwasieh". Für den Außenminister ist klar, dass die Terroristen aus dem Ausland finanziert sein müssen. mehr...