Das Kaffekränzchen

Das hatte man nicht mehr für möglich gehalten. Sicher, das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Helmut Kohl ist über die Jahre ein wenig besser geworden. Ziemlich kühl aber ist es trotz aller Friedensversuche geblieben. Nüchtern kalkulierend, könnte man bei der Physikerin Merkel auch sagen.

Doch dann kommt der 10. August 2009. Merkel steht zu dieser Zeit vor einem schwierigen Wahlkampf. Die Umfragen sagen voraus, dass der CDU alles andere als ein großer Triumph ins Haus steht. Und fast alle Wahlforscher erklären ausführlich, dass Merkel zwar beliebt, aber manch eingefleischter Unionist eher verärgert sei über den flexiblen Kurs der Kanzlerin beim Regieren und über den noch flexibleren Kurs der CDU-Vorsitzenden beim Werben um Wähler.

Merkel reagiert. Sie fährt nach Oggersheim, sie besucht den Alten. Und sie tut das publikumswirksam. Weil Merkel ist, wie sie heute ist, wird das Treffen auf Kohls Terrasse medial schön festgehalten.

Einen Tag später erscheint ein Foto der beiden, und dazu die Geschichte von den Tomaten und vom Mozzarella, die beide genossen hätten. Die Kanzlerin ist alpenurlaubsbraungebrannt, der Altkanzler gibt dazu eine wohlwollend-stille Kulisse.

Es geht darum, auch die Konservativen in ihrer Partei bis zur Wahl einzubinden. Mit dem Besuch schließt sich so ein Kreis - vom FAZ-Artikel zum Kaffeekränzchen. Will die CDU regieren, muss sie offenbar bis heute die Merkelianer und Kohlianer zusammenführen.

Das Ergebnis freilich fällt gemischt aus. Am Wahlabend bekommt Merkel das schwarz-gelbe Bündnis, mit dem Kohl sechzehn Jahre regiert hat. Ihre eigene Partei aber trägt dazu wenig bei - sie fällt zum zweiten Mal hintereinander unter den schlechtesten Wert, den die CDU unter Kohl je erzielt hat.

Foto: dpa

10. April 2010, 18:142010-04-10 18:14:00 ©