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Al-Qaida:Misstrauen ist besser

Die Dokumente zu Bin Laden müssen genau geprüft werden.

Amerika und Iran sind auf Kollisionskurs: Am Donnerstag wütete in Teheran der Oberste Führer Ali Chamenei gegen den "Feind Nummer eins". Zwei Wochen zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in einer Rede das "fanatische Regime" in Teheran als Terror-Helfer gegeißelt und dem eine lange Liste an Vorwürfen folgen lassen, wie Iran das Terrornetzwerk al-Qaida unterstützt habe.

Nun veröffentlicht der US-Auslandsgeheimdienst CIA Dokumente aus dem Versteck des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden. Man erfährt, dass er TV-Dokumentationen über sich selbst gespeichert hatte und 30 Häkel-Videos. Manche Dokumente aber legen nahe, dass es engere Verbindungen gab zwischen den sunnitischen Dschihadis und dem schiitischen Regime, als man bisher glaubte. Grundlegend neue Qualität hat das - soweit sich das derzeit beurteilen lässt - aber nicht.

Das Material muss auf Glaubwürdigkeit abgeklopft und eingepasst werden in die bekannten Zusammenhänge. Bei 470 000 Dokumenten wird das eine Weile dauern, wenn es darum geht, "weitere Einblicke in die Planungen und Arbeitsweise" von al-Qaida zu gewinnen, wie es CIA-Chef Mike Pompeo formuliert. Wenn diese Dokumente gleich neue Rufe nach einem härteren Vorgehen gegen Iran nach sich ziehen, ist Misstrauen angebracht. Die US-Dienste kennen sie seit Jahren - und haben auch all das ausgewertet, was jetzt nicht öffentlich gemacht wurde.