Afghanistan Polizeichef: Deutsche Soldaten töteten Frau

Die Polizei in der Provinz Kundus erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr: Soldaten hätten das Feuer eröffnet und eine Zivilistin erschossen. Die Bundeswehr ermittelt "mit Hochdruck".

Die Polizei in der nordafghanischen Provinz Kundus hat schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr erhoben. Der Polizeichef des Distrikts Char Darah, Gulam Mahidin, sagte, deutsche Soldaten hätten am Vortag eine Frau erschossen und eine weitere verletzt.

Mahidin sagte der dpa: "Deutsche Soldaten, die in der Durman-Gegend im Distrikt Char Darah patrouillierten, eröffneten das Feuer. In Folge wurde eine afghanische Frau erschossen und eine weitere verletzt." Die deutschen Soldaten hätten einen "Fehler" gemacht.

Noch sind wenige Details über den Vorfall bekannt. Ein Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Fall werde "mit Hochdruck" untersucht. Es sei aber noch keinesfalls erwiesen, dass die Zivilistin von deutschen Soldaten erschossen worden sei.

Der Sprecher sagte, eine Patrouille in der Gegend sei unter anderem mit Panzerfäusten beschossen worden und habe das Feuer erwidert. Später sei einer zweiten Patrouille rund 1400 Meter vom Angriffsort entfernt eine Frau mit einer Kopfverletzung übergeben worden. Dabei habe es sich aber nicht um eine Schussverletzung gehandelt.

Die Frau sei sofort von einer deutschen Ärztin behandelt und dann ins Feldlazarett im Camp gebracht worden, sagte der Sprecher. Dort sei sie an ihrer schweren Verletzung gestorben. Die zweite Frau sei mit einer leichten Splitterverletzung am Fuß selbständig ins Krankenhaus in Kundus-Stadt gekommen. Bei ihr "liegt der Verdacht nahe", dass die Verletzung bei dem Feuergefecht verursacht worden sei.

Bei einem Luftschlag auf Anforderung der Bundeswehr gegen zwei gekaperte Tanklaster im September 2009 kamen mehr als hundert Menschen in der Gegend von Char Darah ums Leben. Im Zuge der Affäre um die Informationspolitik der Bundesregierung nach dem Angriff trat der damals zuständige Verteidigungsminister Franz Josef Jung von seinem Amt als Ressortchef im Arbeitsministerium zurück. Der mehrheitlich von Paschtunen bewohnte Distrikt gilt als einer der gefährlichsten Distrikte ind er Region um Kundus.