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Afghanistan:Bundesregierung bestätigt Tod einer Deutschen

Im Grenzgebiet zu Pakistan wurden die Leichen von zehn Menschen gefunden. Sie sollen einer christlichen Hilfsorganisation angehören und als Augenärzte im Land gearbeitet haben. Über die Zahl der deutschen Mediziner gab es zunächst widersprüchliche Angaben - inzwischen hat die Bundesregierung ein deutsches Todesopfer bestätigt. Zu dem Überfall haben sich die Taliban bekannt.

Mord an Ärzteteam in Afghanistan: Zehn von Kugeln durchsiebte Leichen sind in einem entlegenen Berggebiet im Nordosten des Landes gefunden worden. Nach neuesten Angaben ist eine deutsche Medizinerin darunter. Darüber sollen nach Angaben der afghanischen Polizei sechs Amerikaner, ein weiterer Ausländer und zwei Afghanen getötet worden sein.

Deutsche von Taliban in Afghanistan getötet

Umringt von schwer bewaffneten Kämpfern gibt ein Taliban-Sprecher einem Fernsehsender ein Interview (Archivbild): Die Aufständischen haben sich zur Erschießung von zehn Ärzten im Norden Afghanistans bekannt.

(Foto: dpa)

In einer Erklärung aus aus Berlin heißt es: "Die Bundesregierung ist empört über den schrecklichen Anschlag im Norden Afghanistans, dem nach derzeitigem Kenntnisstand mehrere ausländische Helfer, darunter auch eine deutsche Staatsangehörige, zum Opfer gefallen sind."

Die Bundesregierung dränge auf "eine gründliche Aufklärung der Umstände dieses feigen Mordes und gemeinsam mit den afghanischen Behörden auf eine Bestrafung der Urheber dieses Verbrechens." Zugleich betont Berlin die Notwendigkeit einer zielstrebigen Stabilisierung der Lage in Afghanistan.

Opfer lagen zwei Wochen unentdeckt in den Bergen

Über die Nationalität der Opfer gab es zunächst widersprüchliche Angaben: Die afghanische Polizei hatte von sechs getöteten Deutschen berichtet. Dirk Frans, der Direktor der Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM), für die die Gruppe tätig gewesen sein soll, sagte dagegen in Kabul, neben einem Deutschen seien ein Brite, sechs Amerikanern und zwei Afghanen umgebracht worden.

Der Überfall auf die Zivilisten-Gruppe soll bereits vor zwei Wochen stattgefunden haben. Da die Gegend jedoch so abgelegen sei, habe man die Leichen erst am Donnerstag entdeckt, sagte der Polizeichef. Die Gruppe habe im Grenzgebiet zu Pakistan gezeltet. Die Leichen, darunter mindestens drei Frauen, seien neben den Geländewagen der Opfer gefunden worden.

Nach Angaben des überlebenden Afghanen sollen die Opfer als Augenärzte in einem Krankenhaus in Kabul gearbeitet haben.

Diese Information wird durch eine Pressemitteilung von IAM bestätigt: Das christliche Hilfswerk, das nach eigenen Angaben seit mehreren Jahrzehnten in Afghanistan tätig ist, schreibt auf seiner Webseite, es sei wahrscheinlich, dass es sich bei den Getöteten um Mitglieder eines Teams aus Augenärzten handle. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir nicht viele Details, aber unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freunden der mutmaßlich Getöteten."

Kurz nach Bekanntwerden des Leichenfunds haben sich die Taliban zu dem tödlichen Überfall in der Provinz Nuristan bekannt. Ein Sprecher der Aufständischen sagte, es habe sich um "christliche Missionare" gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. "Wir haben Spionage-Dokumente bei ihnen gefunden."

Der überlebende Afghane soll laut Aussage des Polizeichefs berichtet haben, er sei der Erschießung nur entkommen, indem er sich als Muslim zu erkennen gegeben habe. "Ich bin Muslim. Tötet mich nicht", soll der Mann nach eigenen Angaben gerufen haben.

Taliban-Angriff oder Raubmord?

Warum die Taliban sich erst jetzt zu dem Angriff auf die Ausländer bekennen, ist derzeit noch völlig unklar. Der Polizeichef wollte auch einen Raubmord nicht ausschließen. Mehrere Agenturen berichten übereinstimmend, Ausrüstung, Geld und Ausweispapiere seien gestohlen worden. "Wir konnten keine Ausweise oder etwas in der Art finden", zitiert apn den Polizeichef. "Es wurde nichts zurückgelassen."

Eine Bestätigung der Identität der Toten aus Berlin steht noch aus: Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte zu sueddeutsche.de, die Bundesregierung prüfe derzeit die Hintergründe zu den widersprüchlichen Meldungen über den Tod deutscher Staatsangehöriger. Die Botschaft in Kabul habe dazu Kontakt mit den afghanischen Behörden aufgenommen. Einzelheiten könnten noch nicht mitgeteilt werden.

Die Sprecherin der US-Botschaft in Kabul, Caitlin Hayden, sagte: "Wir haben Grund zu der Annahme, dass mehrere amerikanische Staatsbürger unter den Verstorbenen sind." Sie könne aber noch nichts bestätigen. Die Botschaft arbeite mit den afghanischen Behörden daran, die Identität der Opfer herauszufinden.

© dpa/AFP/Reuters/jobr/holz/cgr
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