Affäre Jasper:Teufener Titelsupermarkt

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Hinweise auf das zweifelhafte Gebaren des Teufener Titelsupermarktes hätte Jasper schon früh wahrnehmen können. Der Titelkauf-Experte Nicolas Brethauer etwa bezeichnete die Freie Universität Teufen in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bereits im August 2001 als einschlägig bekannte Titelmühle zusammen mit so obskuren Instituten wie der "London School for Social Research", der "Loyola-University" in Paris oder der "Roosevelt-University" in Brüssel und Zürich.

Im Mai 2006 berichtete die SZ über die Teufener Doktorschmiede, ihre Abschlüsse seien "in Deutschland nicht anerkannt und dürfen in der Öffentlichkeit, etwa auf Visitenkarten oder im Lebenslauf, auch nicht erscheinen".

Auf Titelmissbrauch droht eine Freiheits- oder Geldstrafe

Kurz zuvor war der Berliner CDU-Abgeordnete Mario Czaja über sein an der Freien Universität Teufen erworbenes Wirtschaftsdiplom gestolpert. Er kam glimpflich davon und musste lediglich seinen Sitz im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zurückgegeben. Der Fall erregte bundesweit Aufmerksamkeit.

Nach Paragraph 132a Strafgesetzbuch wird Titelmissbrauch "mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft". Die Staatsanwaltschaft Münster prüft derzeit, ob ein Ermittlungsverfahren gegen Jasper eröffnet wird.

Und auch die auf den ersten Blick abenteuerlich anmutende Forderung nach Neuwahlen in Jaspers Wahlkreis erscheint auf den zweiten Blick nicht völlig abwegig. Immerhin müssen die Angaben eines Wahlkreiskandidaten zu seiner Person richtig sein.

Auch Björn Schilling, SPD-Ortsvereinsvorsitzender aus Lengerich im Kreis Steinfurt, hat an Bundestagspräsident Lammert geschrieben: "Da der Stimmzettel mit einem unzulässigen Doktortitel bei dem Kandidaten Jasper falsche Angaben enthielt, lag ein Wahlfehler vor."

"Was ist denn schon passiert?"

Lammert, der wie Jasper aus Nordrhein-Westfalen kommt, ist als Bundestagspräsident jetzt die einzige Instanz, die die Wahl im Wahlkreis Steinfurt III noch anfechten kann. Einfache Bürger haben nur bis zwei Monate nach einer Bundestagswahl dazu die Möglichkeit.

Der Parlamentarier Jasper sieht da kein Problem. "Man sollte die Dinge relativieren. Was ist denn schon passiert? Ich habe einen Titel getragen, den ich nicht hätte tragen dürfen", sagte er der lokalen Presse. "Aber das habe ich inzwischen korrigiert."

Sein persönlicher Internetauftritt ist wegen Überarbeitung nicht erreichbar. Auf den biografischen Seiten des Bundestags ist der Doktortitel inzwischen verschwunden. Jedoch wird der Neu-Abgeordnete bei seiner ersten Rede vor dem Bundestag am 4. Dezember 2009 noch als "Dr. Dieter Jasper" im Untertitel vorgestellt. Also gut zwei Monate nachdem ihm aufgefallen war, dass mit dem Titel etwas nicht stimmen kann.

Die lokale Presse fühlt sich von Jasper gefoppt. Anfang Januar noch haben die Westfälischen Nachrichten in einem Bericht über den Neujahrsempfang der CDU in seinem Wahlkreis stets von "Dr. Dieter Jasper" geschrieben. "Weder im Vorfeld noch nach dem Bericht kam ein Hinweis von Jasper, dass er den Doktortitel nicht mehr führt", schreibt die Zeitung.

Politisch wird Jasper von seinen Parteifreunden noch gestützt. Am 6. Februar verabschiedete der Kreisvorstand der CDU eine Erklärung: "Nach einem ausführlichen und offenen Gespräch mit Dieter Jasper ist der CDU Kreisvorstand nach wie vor von der persönlichen Integrität des Bundestagsabgeordneten überzeugt und weißt deshalb Forderungen nach einem Rücktritt zurück."

Kreisvorsitzender ist der mächtige Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit und Soziales in der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.

Was Jasper für seinen erschwindelten Titel hinlegen musste, ist nicht geklärt. Die Summe wird aber sicher mehrere zehntausend Euro betragen. Im Herbst 1996 musste etwa Dieter Jurkschat, damals Direktor der Sparkasse Konstanz, seinen Posten räumen - der Banker soll sich seinen Doktortitel für umgerechnet 21.500 Euro bei der "Freien Universität Teufen" gekauft haben.

Diese Investition hat sich nicht gelohnt.

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