Neue Hochschulen:Der Boom der Privaten

Das Angebot an privaten Hochschulen wächst. Aber warum entscheiden sich immer mehr Studenten für eine der spazialisierten und nicht ganz billigen Unis?

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Sally Menken, 21, erstes Semester International Business an der Munich Business School (MBS): "Schon seit der zwölften Klasse wollte ich etwas mit Wirtschaft studieren. Auf einem Absolventenkongress in Köln bin ich darin von verschiedenen Unternehmen bestätigt worden. Dort habe ich auch das Studienangebot der Munich Business School kennengelernt. Obwohl das Studium teurer ist als auf einer öffentlichen Hochschule, habe ich mich dafür entschieden, weil das Angebot sehr praxisorientiert ist. Jeder muss verschiedene Praktika im In- und Ausland absolvieren. Außerdem gibt es in meinem Studiengang ein obligatorisches Auslandssemester, das ich gerne in Argentinien absolvieren möchte. Viele unserer Dozenten und Professoren kommen aus der Praxis. Man kann sich aussuchen, ob man lieber auf Deutsch oder Englisch unterrichtet werden möchte. Da habe ich mich für Englisch entschieden. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, obwohl man doch ziemlich viel für den Unterricht vorbereiten und lernen muss. Seitdem ich in München bin, wohne ich im Studentenwohnheim der Caritas. Ein eigenes Studentenwohnheim der MBS gibt es nicht.

Seit ihrer Gründung 1991 hat sich die Munich Business School (MBS) in der Managementausbildung in Deutschland etabliert. Sie bietet Bachelor-, Master- und MBA-Programme an. Grundlegende Ziele sind die internationale Orientierung und die Praxisnähe. Die MBS bekam als erste private Hochschule in Bayern 1999 eine staatliche Anerkennung. Die Studiengebühren für den BA betragen 4980 Euro pro Semester und können in vier Raten bezahlt werden. Neben der Möglichkeit, in Englisch oder Deutsch zu studieren, müssen "International Business"-Studenten während ihres Bachelorstudiums drei Praktika von drei Monaten absolvieren, zwei davon im Ausland. Das vierte Semester ist ein obligatorisches Auslandssemester.

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Maximilian Mattern, 20, erstes Semester "International Management" an der International School of Management (ISM): Ein wenig Bedenken hatte ich am Anfang schon. Man sagt ja immer, dass die Leute auf privaten Hochschulen etwas arrogant sind. Eine gute Freundin von mir, die an der ISM in Dortmund studiert, hat mich dann aber ermutigt, mir das Ganze mal anzuschauen. Und tatsächlich: Die Leute sind durchweg sympathisch und freundlich. Seit Ende August lief schon ein Spanisch-Vorkurs, bei dem ich die Hochschule kennenlernen konnte - die Atmosphäre ist angenehm persönlich, weil in den Kursen nur jeweils 25 Studierende sitzen. Man lernt in kleinen Gruppen einfach besser! Attraktiv ist außerdem, dass die Dozenten aus der Wirtschaft kommen und wirklich im Berufsleben stecken. Die Internationalität ist ein ganz wichtiger Punkt für mich, da ich mir vorstellen könnte, später ein Praktikum in Dubai zu machen. Meine Freundin hat mich aber auch schon gewarnt, dass man hier ziemlich viel tun müsse. Das soll aber nicht heißen, dass sonst keine Zeit bleibt: In München kann man ohnehin mit den anderen Studenten viel unternehmen."

ISM steht für "International School of Management". Bislang hatte die Hochschule ihre Zentrale in Dortmund und eine Dependance in Frankfurt. Indiesem Semester hat sie erstmals auch in München Studenten aufgenommen. Die 73 Anfänger konnten unter fünf Bachelorstudiengängen wählen: International Management, Tourism & Eventmanagement, Communications & Marketing, Corporate Finance und Psychology & Management. Sie absolvieren sie ein 24-wöchiges Praktikum, zwölf Wochen davon im Ausland. Außerdem ist in jedem Studiengang ein verpflichtendes Auslandssemester ("European Track", sechs Semester) und ein optionaler Auslandsaufenthalt ("Global Track", sieben Semester) integriert. Ein Semester kostet 4590 Euro.

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Stefanie Merz, 21, erstes Semester Internationale Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Angewandte Sprachen: "Ich bin ganz zufällig auf das Sprachen- und Dolmetscherinstitut (SDI) gestoßen, als ich nach Hochschulen in München gegoogelt habe. Wichtig war mir ein Studium, das Wirtschaft und Sprache verbindet, und da kam mir der Studiengang, mit dem ich jetzt angefangen habe, gerade recht. Nach einer Woche kann ich sagen, ich bin begeistert: Neben der klassischen BWL-Ausbildung, die es ja überall gibt, habe ich meinen Schwerpunkt auf die Sprachen Englisch und Spanisch gelegt. Beeindruckend finde ich die Lernmethoden: Vieles läuft über unsere Lernplattform in Internet, die Klassen sind übersichtlich, sodass sich die Dozenten, die selbst aus der Praxis kommen, ganz individuell um uns kümmern können. Die Lehrenden kommen zum Beispiel aus Kolumbien oder Sevilla. Das ist mir übrigens besonders wichtig, weil ich unbedingt ins spanischsprachige Ausland möchte. Schon im dritten Semester muss ich beim SDI ein Praktikum im Ausland machen. Bis dahin muss ich aber noch ordentlich Spanisch lernen. Aber dazu habe ich hier ja genug Möglichkeiten."

Die 2007 gegründete Hochschule für Angewandte Sprachen am Sprachen- und Dolmetscherinstitut (SDI) besuchen derzeit 250 Studierende. Sie bietet vier Bachelor- und drei Masterstudiengänge. Anfänger wählen eines der Fächer "Internationale Wirtschaftskommunikation", "Wirtschaftskommunikation Chinesisch", "Übersetzen Chinesisch" oder "Mehrsprachige Technische Redaktion". Die Auswahl im Master: "Interkulturelle Moderation und Mehrsprachige Kommunikation", "Technisch-wissenschaftliche Kommunikation" und Konferenzdolmetschen". Auch Planspiele und die Arbeit mit Fallstudien bietet das SDI, das 2011 den Standort wechselt. Gebühren für das BA-Studium ab 2300 Euro im Semester, für das MA-Studium ab 2700 Euro.

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Johannes Roth, 20, drittes Semester Gamedesign an der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik (MHD): "Mich hat es schon von klein auf Interessiert, wie Computerspiele funktionieren. Bei einem Informationstag der MHD habe ich vor meinem Studium spontan einen Eignungstest gemacht, der gut ausgefallen ist: Logik, Englisch, Zeichnen und Kreativität spielten dabei eine wichtige Rolle. Da ich nicht wusste, ob meine Bewerbung durchkommt, habe ich mich parallel auch bei der Universität München für den Studiengang Medieninformatik beworben. Außerdem haben mich die Studiengebühren von 800 Euro im Monat etwas abgeschreckt. Als ich dann doch genommen wurde, hat mich das sehr gefreut. Ich habe sogar ein Stipendium von der MHD bekommen und muss jetzt nur die Hälfte der Gebühren bezahlen. Es ist immer noch viel, aber ich habe dafür vorher gearbeitet und Geld gespart. Bislang habe ich noch nichts bereut. Die familiäre Atmosphäre und die Ausbildung zum Allrounder, die es hier gibt, gefallen mir sehr. Nach dem Abschluss möchte ich gerne an einer anderen Hochschule meinen Master oder Doktor machen. Absolventen haben in der Branche keine Jobprobleme."

Die Mediadesign-Hochschule für Design (MHD) hat 2004 ihre staatliche Annerkennung bekommen. Gegründet wurde sie schon 1987. Interessierte können nach einer Aufnahmeprüfung in Berlin und München studieren oder bei kleinerem Angebot in Düsseldorf. Schwerpunkt des Münchner Campus ist der Studiengang Gamedesign, den die MHD als eine der ersten in Deutschland einführte. Die Studiengebühren der fünf Bacherlorstudiengänge belaufen sich auf 3900 bis zu 5100 Euro im Semester. Im Bereich Medienmanagement und Gamedesign werden Masterstudiengänge angeboten.

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Judith Jacobs, 23, fünftes Semester Raumkonzept und Design an der AMD Hochschule Mode und Design: "Ich bin über das Internet auf die AMD aufmerksam geworden. An meinem Studiengang haben mich vor allem die umfassenden Lehrbereiche interessiert, die sich mit Kunstgeschichte, Design, Inneneinrichtung und Architektur befassen. Anderswo zu studieren, ist mir gar nicht in den Sinn gekommen. So einen Studiengang gibt es, glaube ich, nirgendwo sonst in Deutschland. Allerdings wollte ich nicht unbedingt an eine private Universität. Die monatlichen Gebühren liegen bei 500 Euro, das fand ich eigentlich zu viel. Meine Eltern meinten dennoch, ich könnte es mit ihrer Hilfe machen. Bevor es losging, musste ich allerdings eine Aufnahmeprüfung bestehen. Leicht habe ich es mir nicht vorgestellt, und so war es auch. Am meisten Zeit geht zuhause für die Vor- und Nachbereitung der Kurse drauf. Allerdings habe ich bislang nur positive Erfahrungen in meinem Studium gemacht. Ich habe gelernt, im Team zu arbeiten und über meinen Horizont hinauszuschauen. Außerdem habe ich zwei sehr interessante Praktika gemacht, in einem Designerbüro und einer Bootswerft."

Vor 20 Jahren entstand die Akademie für Mode und Design (AMD) in Hamburg. Mittlerweile ist daraus die Hochschule in Hamburg mit Ablegern in Düsseldorf, Berlin und München hervorgegangen, an der insgesamt 1200 Studenten eingeschrieben sind. Im Angebot stehen drei interdisziplinäre Bachelor-Studiengänge zu den Bereichen Inneneinrichtung, Mode und Design sowie der Ausbildungsgang Modejournalismus und Medienkommunikation. Neben künstlerischen Aspekten sollen an der AMD auch betriebswirtschaftliche Kentnisse an die Studenten vermittelt werden. Alle Studienbewerber müssen Auswahlverfahren und Eignungstests durchlaufen. Die Gebühren betragen pro Semester etwa 3000 Euro.

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Maximilian Fraenkel, 19, erstes Semester Kulturjournalismus an der Macromedia-Hochschule für Medien und Kommunikation: "Ich wollte schon immer Journalistik studieren. Außerdem war für mich klar, dass ich mich mit Kultur beschäftigen möchte. Deshalb habe ich mich erst einmal über die klassischen Studiengänge informiert, wie Theaterwissenschaften und Philosophie. Dann bin ich aber auf die Macromedia-Hochschule gestoßen. Und auf den Studiengang Kulturjournalismus. Auf einer Info-Veranstaltung war ich sofort begeistert, weil sich in dem Studium genau meine Interessen bündeln. Eine Hürde musste ich aber noch nehmen: den Auswahltest und ein Bewerbungsgespräch. Alles lief gut! Jetzt erwartet mich ein Studium, das sehr breit gefächert ist, gleichzeitig aber auch fachspezifisch: In den ersten zwei Semestern lernen wir die Grundlagen des Sport-, Wirtschafts- und schließlich des Kulturjournalismus, auf den ich mich spezialisieren möchte. Mir gefällt der ausgeprägte Praxisbezug, der sich schon in der ersten Woche gezeigt hat. Wir haben schon Interviews geführt und draußen, etwa auf der Wiesn, Eindrücke gesammelt, die wir in verschiedenen Textgattungen umgesetzt haben."

Die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) ist mit 1500 Studierenden nach Eigenaussage die größte Medienhochschule Deutschlands mit Standorten in München, Berlin, Hamburg, Köln und Stuttgart. Sie bietet die Bachelostudiengänge "Digitale Medienproduktion" (mit Schwerpunkten etwa in Computeranimation und Gamedesign), "Film und Fernsehen" (Kamera, Regie und Postproduction), "Journalistik" und "Medienmanagement". Im Bachelorstudium kostet ein Semester zwischen 4200 und 4900 Euro, beim Master 5400 Euro.

Fotos: Haas, Hess, Rumpf, Schellnegger (2)

(Protokolle: Leon Scherfig, Sebastian Schwarz; SZ vom 14.10.2009/holz)

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