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AfD-Parteitag:"Wahlkampfmotto: Mut zu Deutschland"

Und dann gibt er noch das Motto des Europawahlkampfs bekannt: Mut zu Deutschland. Lucke wirft es an die Leinwand: "Mut zu D EU tschland" steht da auf blauem Untergrund, das "EU" umrandet von gelben Sternen. Die Delegierten können sich nicht mehr auf den Plätzen halten, es gibt stehende Ovationen für den Slogan; nur einzelne Delegierte bleiben sitzen, ihre Gesichter sind nachdenklich.

Im wertkonservativen Flügel der Partei dürfte dies als klares Signal verstanden werden. Zwar weist Lucke das im Gespräch mit Süddeutsche.de zurück. Der Applaus habe gezeigt, "dass das Motto von der ganzen Partei getragen wird". Er habe die Parole gewählt, denn: "Ich glaube, dass es richtig ist, sich für die Interessen Deutschlands einzusetzen". Des provokativen Potentials des neuen Slogans ist sich Lucke allerdings sehr wohl bewusst und nimmt das auch gern in Kauf. In seiner Rede sagt er: "Mit dieser politischen Botschaft werden wir im Europawahlkampf den heftigsten Anfeindungen ausgesetzt sein." Einer der Bewerber um einen Listenplatz, vermisst "hier im Saal die Deutschlandfahne". Die hätte noch sehr gut zu dem Motto gepasst.

Parteichef Lucke spielt sein übliches Spiel, und das sehr geschickt: In seiner Rede wettert er gegen die Euro-Rettungspolitik, den Bürokratismus und den Brüsseler Zentralismus, er spricht sich gegen den Euro-Rettungsschirm und gegen die Bankenunion aus und liefert dafür fundierte Kritik. Auch das Demokratiedefizit in der EU prangert er an, alles Positionen, die er mit Argumenten gut begründet, die aber auch anschlussfähig sind an das Rechtsaußen-Milieu. Und dieses bedient er zudem mit einschlägiger Wortwahl, indem er auf die "Altparteien" schimpft und die AfD zur Anti-Parteien-Partei stilisert. Auch dass die rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit den AfD-Parteitag zu Werbezwecken nutzt, stört Lucke nicht: Zwar sei die Aktion nicht mit der Partei abgesprochen gewesen. Aber es herrsche Pressefreiheit, somit stehe ihr dies offen.

Bernd Lucke "schafft das"

Die freundlichen Vertreter des ultrarechten Blattes haben kurz vor Beginn des Parteitags Stofftaschen verteilt; darin findet sich die aktuelle JF-Ausgabe mit ganz viel Bernd Lucke darin. Gleich auf drei Seiten geht es um den AfD-Parteitag, auf dem Titel prangt ein Bild Luckes vor einer Europafahne. Die Zeile: "Wir schaffen das." Auf Nachfrage erklärt einer der jungen Herren, dass es eine sehr enge Verbindung zwischen der AfD und der Jungen Freiheit gebe. Nein, die Parteizeitung sei man auf keinen Fall, aber es gebe mehrere Autoren, die in der Partei eine herausragende Rolle hätten. Pressesprecher Konrad Adam zum Beispiel, der sich auch um einen Listenplatz beworben hat. Dann mischt sich JF-Chefredakteur Dieter Stein in das Gespräch ein: "Nicht, dass die SZ noch schreibt, zwischen der AfD und der Jungen Freiheit herrsche Personalunion."

Fakt ist, dass es durchaus personelle Überschneidungen gibt. Auch Hans-Olaf Henkel schreibt bisweilen Beiträge für die Junge Freiheit, er gilt als glühender Verfechter der Thesen Thilo Sarrazins.

Außerdem ist Henkel auch ein großer Fan der Frau, die sich um Listenplatz vier beworben hat: Beatrix von Storch. Sie vertritt im Bundesverband das stramm konservative Milieu, zusammen mit ihrem Mann führt sie den Protestverein "Zivile Koalition", dazu gehört die Internetzeitung FreieWelt.net, auf der sich immer wieder ultrakonservative und homophobe Positionen finden.

Zwar hat Lucke klar gestellt, dass er auf europäischer Ebene kein Bündnis mit Rechtspopulisten wie dem Front National, Geert Wilders oder den britischen Euroskeptikern von Ukip eingehen wolle. Auch auf dem Parteitag rückt er von dieser Position nicht ab. Ukip, die Partei von Nigel Farage, würde in der Zuwanderungsdebatte einen Tonfall anschlagen, "der mir nicht behagt, der die Gefahr birgt, dass Menschen aufgehetzt werden". Die Basis ist einem Delegierten zufolge da aber anderer Ansicht. Man "hege große Sympathien für den Herrn Nigel Farage", erklärt der Mann.