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AfD:Düsteres Geschichtsbild

Alexander Gauland und weitere Führungsleute der Partei sehen im 8. Mai, an dem die Wehrmacht vor 75 Jahren kapitulierte, einen Tag des Verlusts. Das zeigt: Der rechtsradikale "Flügel" wird zwar aufgelöst, dessen Anhängerschaft aber weiterhin bedient.

Von Markus Balser

Mit den großen Hoffnungen der Menschheit beginnt die Forderung, die die AfD erbost: Über "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und Schwesterlichkeit" schrieb die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano im Januar an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. Ihr Wunsch: ein dauerhafter gesetzlicher Feiertag am 8. Mai. Das helfe zu begreifen, dass dies ein Tag der Befreiung war.

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland machte am Donnerstag klar, wie er zu einem solchen Vorschlag steht - und offenbarte mit seiner Begründung ein düsteres Geschichtsbild. Gauland schwadronierte von einem Tag des Verlusts großer Teile Deutschlands und von Gestaltungsmöglichkeiten und davon, dass dieses Datum kein Feiertag sein könne. Die gesamte AfD sprang ihm bei und legte so erneut den Blick auf politische Abgründe bei den Rechtspopulisten frei. Schonungslos dokumentiert die AfD damit auch, wie schwer sie sich beim eigenen Ziel tut, eine bürgerliche Partei zu werden. Mit der Fortsetzung gezielter rechter Provokationen durch Gauland und weitere Führungskräfte schlägt die AfD einen ganz anderen Weg ein. Während sie den rechtsradikalen Flügel offiziell auflösen will, versuchen Teile der AfD-Führung dessen Klientel mit aller Kraft weiter zu bedienen.

© SZ vom 07.05.2020
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