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AfD:100 Funktionäre stellen sich gegen Höcke

In einem Brandbrief distanzieren sich die Unterzeichner von dem "Flügel"-Politiker und verurteilen seinen "Personenkult".

Im Richtungsstreit der AfD haben sich etwa hundert Funktionäre der Partei in einem Appell gegen Björn Höcke gestellt. Die Unterzeichner, zu denen mehrere Mitglieder des Parteivorstands zählen, werfen dem führenden Kopf des äußerst rechten "Flügels" vor, die innerparteiliche Solidarität verletzt zu haben. Sie weisen die Kritik Höckes an der Parteispitze zurück und kritisieren einen "exzessiv zur Schau gestellten Personenkult" um Höcke beim Treffen des "Flügels" am letzten Wochenende. "Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei!", schreiben sie mit Blick auf das Auftreten des Thüringer Landeschefs. Er solle sich auf die Aufgaben konzentrieren, für die er legitimiert sei.

Höcke war auf dem "Kyffhäuser-Treffen" des "Flügels" mit einem Fahneneinzug gehuldigt worden. In seiner Rede hatte er den Bundesvorstand kritisiert und seinen Anhängern versprochen, dass der Vorstand "in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird". Das wurde als Kampfansage im Richtungsstreit aufgenommen. In mehreren wichtigen Landesverbänden kämpfen "Flügel"-Vertreter und gemäßigte Kräfte um die Vormacht.

Mit dem Appell gegen Höcke wollen die Unterzeichner laut Auskunft aus ihrem Kreis dessen Einfluss eindämmen. Zum Kreis der Unterzeichner zählen der Landesvorsitzende der AfD in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, und die niedersächsische AfD-Chefin Dana Guth sowie ihr Berliner Kollege Georg Pazderski. Dieser gehört wie einige weitere Unterzeichner dem Bundesvorstand der AfD an.

Parteichef Jörg Meuthen bekundete am Mittwochmorgen Verständnis für den Appell. Er wundere sich nicht über den Aufruf, sagte Meuthen. In der Partei sei "die massive Kritik über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sehr vernehmlich". Der Appell sei eine Bestätigung, dass Höcke mit seiner Kritik am Bundesvorstand der AfD über keinerlei Mehrheiten verfüge "und der von ihm zuweilen betriebene Personenkult nicht zu unserer Partei passt".

Auch sein Co-Vorsitzender Alexander Gauland ging auf Distanz zu Höcke, den er bisher innerhalb der AfD stets gestützt und als Teil der Seele der Partei bezeichnet hatte. Er halte Höckes Rede "genauso wie den Fahneneinzug auf dem Kyffhäuser-Treffen für unangebracht", sagte Gauland. Den Appell halte er aber in Wahlkampfzeiten für ähnlich unangebracht. Auch Alice Weidel, die mit Gauland die Bundestagsfraktion führt, schloss sich dem Appell der Höcke-Kritiker nicht an. Die Spannungen seien nur intern "und ohne öffentliche Schlammschlacht zu lösen", erklärte sie.

Der Thüringer AfD-Landeschef Höcke gilt spätestens seit einer Rede in Dresden Anfang 2017, in der er eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad forderte, als führender Exponent der äußersten Rechten in der AfD. Er ist Spitzenkandidat in Thüringen, wo demnächst wie in Sachsen und Brandenburg ein neuer Landtag gewählt wird. Dort dominiert der rechte "Flügel" die AfD, er verspricht sich von Erfolgen bei diesen Wahlen mehr Einfluss in der Bundespartei.

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