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Ägypten:Illegales Medikament: Britin zu Haftstrafe verurteilt

Weil sie ein verbotenes Schmerzmittel mitführte, verurteilte die Justiz eine junge Frau zu drei Jahren Gefängnis.

Von Dunja Ramadan

Die Welt sei in seinen Augen einfach nur schwarz. Er habe keine Arbeit, keine Perspektive, keine Möglichkeit zu heiraten und eine Familie zu gründen. "Tramadol macht all das erträglicher", sagte ein junger Ägypter dem arabischen Fernsehsender al-Arabiya. Tramadol, ein starkes Schmerzmedikament, gehört zur Gruppe der Opioide und ist seit Jahren die Droge einer ganzen Generation in Ägypten. Ob Akademiker ohne Anstellung oder Sammeltaxi-Fahrer, die Droge zieht sich durch die unterschiedlichsten Schichten. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt im bevölkerungsreichsten arabischen Land zwischen 40 und 50 Prozent. "Nur so finde ich die Energie, morgens aufzustehen und mich dem Tag und den Menschen zu stellen", sagte der junge Mann dem Sender.

Weil es so viele machen wie er, hat die ägyptische Regierung das leicht zugängliche Schmerzmittel verboten. Es gilt als Heroin-Ersatz, in Großbritannien und in Deutschland ist das Medikament verschreibungspflichtig. Doch das schien die 33-jährige Britin Laura P. nicht zu wissen, als sie im Oktober 300 Tramadol-Tabletten bei ihrer Einreise im Gepäck hatte. Die Touristin hatte sie ihrem ägyptischen Ehemann mitgebracht, weil der nach einem Unfall an starken Rückenschmerzen litt. Sie sei regelmäßig nach Ägypten geflogen, wo sie vor vier Jahren ihren Mann kennengelernt hatte. Noch am Flughafen in Hurghada am Roten Meer wurde die junge Frau wegen Drogenbesitzes festgenommen. Am Dienstag wurde Laura P. nun zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil zeigt, wie hart Ägypten Drogendelikte bestraft. Angesichts der Verbreitung der Droge setzt man stark auf Abschreckung.

Vor Gericht beteuerte die 33-jährige Britin ihre Unschuld. Sie habe nicht vorgehabt, die Medikamente zu verkaufen und von dem Verbot nichts gewusst. Laut einem Bericht des britischen Telegraph kam es bei einer gerichtlichen Anhörung zu sprachlichen Missverständnissen. So habe P. auf eine Frage zur Einfuhr der Tabletten mit Ja geantwortet - das sei vom Gericht laut ihrem Anwalt als Schuldeingeständnis gewertet worden.

Ihre Familie reagierte auf den Schuldspruch schockiert, sie sorgt sich um die prekären Haftbedingungen im Gefängnis. "Das überlebt sie nicht", zitiert der Mirror Angehörige. Laura P. soll beim Urteilsspruch zusammengebrochen sein. Die Familie möchte britischen Medienberichten zufolge gegen das Urteil Einspruch einlegen. Dafür sieht das Gesetz aber 60 Tage Wartefrist vor.

© SZ vom 28.12.2017
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