bedeckt München
vgwortpixel

Ägypten:Al-Sisis Gegenspieler

A pro Egyptian President Sisi supporter shouts slogans as they demonstrate after Friday prayers in Alexandria

Das gibt es auch: Ein Fan von Präsident Sisi mit Plakat ihres Idols.

(Foto: Amr Abdallah Dalsh/Reuters)

Ein Schauspieler und Youtuber setzt Ägyptens Herrscher zu: Vorerst bleibt Mohamed Ali aber lieber im Ausland.

Die zwei Männer, die Einfluss darauf haben, ob auf den Straßen Ägyptens wieder Blut fließt, haben die vergangene Woche beide im Ausland verbracht. Einer von beiden schwebte am Freitag wieder am Flughafen Kairo ein. Staatspräsident Abdelfattah al-Sisi kehrte von der UN-Vollversammlung zurück. Der Ex-General, der 2013 den Muslimbruder Mohammed Mursi, das erste frei gewählte Staatsoberhaupt des Landes, absetzte, hatte eine angenehme Zeit in New York verbracht: US-Präsident Donald Trump hatte al-Sisis Vorgehen gegen den politischen Islam gelobt und keine Silbe über die Menschenrechtsverletzungen am Nil verloren - in einer Woche, in der Ägyptens Sicherheitskräfte Hunderte Menschen verhafteten, weil sie es gewagt hatten, gegen den Präsidenten zu protestieren. Er habe "keinen Grund zur Sorge", sagte al-Sisi am Flughafen in die Mikrofone des Staatsfernsehens. "Die Ägypter lassen sich nicht in die Irre führen."

In die Irre führen - das versucht nach Ansicht des Präsidenten der andere Mann, der derzeit das Geschehen auf den Straßen bestimmt. Mohamed Ali blieb selbstverständlich im Ausland, wo er sich dem Zugriff der Sicherheitskräfte entzieht, die ihn sofort verhaften würden, wenn er ägyptischen Boden zu betreten versuchte. Vor Wochen war der 45-Jährige als Schauspieler nur einer Minderheit der Ägypter bekannt. Heute ist er die tonangebende Stimme, die den politischen Diskurs in den Cafés, den Wohnzimmern und Teestuben des Landes beherrscht: Mit seinem Youtube-Kanal "Mohameds Geheimnisse" ruft Ali seine Landsleute auf, sich gegen al-Sisi zu erheben.

Er geht den Staatschef direkt und in durchaus rustikaler Sprache an. Während das Volk hungere, schwelge der Präsident im Luxus und lasse sich prächtige neue Paläste bauen, heißt es da. Der Armeeführung, auf die al-Sisi seine Herrschaft stützt, wirft Ali Korruption und Bereicherung vor. Weil er in seinem Zweitberuf als Bauunternehmer 15 Jahre lang mit genau diesen Herren Geschäfte machte, scheint er ziemlich genau zu wissen, wovon er redet - das zumindest ist der Eindruck vieler Ägypter, wie die geradezu explodierenden Klickzahlen zeigen.

Nachdem vergangene Woche erstmals seit al-Sisis Griff nach der Macht Tausende gegen seine Herrschaft demonstriert hatten und laut Menschenrechtsorganisationen fast 2000 Bürger, unter ihnen prominente Figuren der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsanwälte und Oppositionspolitiker, verhaftet worden waren, rief Ali für diesen Freitag zu einem "Millionenmarsch" auf. Dass sich wirklich so viele Menschen auf die Straßen wagen würden, war unwahrscheinlich. Aber es kam zu vereinzelten kleineren Protesten, zum Beispiel in Giseh bei Kairo sowie im Ort Kina bei Luxor. Videos in sozialen Medien zeigten Demonstrationen, deren Teilnehmer al-Sisi Korruption vorwarfen und seinen Abgang forderten. Diese Videos ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizei habe die Proteste beendet. Aus der Stadt Mansura im Nildelta, wo Demonstranten vergangene Woche Banner mit dem Porträt des Präsidenten in Stücke rissen, wurde am Freitag massive Polizeipräsenz gemeldet. Sicherheitskräfte errichteten Checkpoints in der Stadt und an den Ausfallstraßen. In Kairo wurden mehrere U-Bahnstationen in der Innenstadt wegen "Instandhaltungsarbeiten" geschlossen, die meisten Straßen rund um den Tahrirplatz, dem Herzen der Revolution von 2011, wurden blockiert. Auf dem Rabaa-Platz, wo sich 2013 Anhänger des gestürzten Muslimbruders Mursi verschanzten, bis die Armee sie unter Feuer nahm und bis zu 800 Menschen tötete, sollte eine andere Maßnahme verhindern, dass sich Unzufriedene versammeln: Al-Sisis Zukunftspartei wollte ausgerechnet hier eine Großkundgebung für den Präsidenten abhalten.

Mohamed Ali veranlassten diese Vorkehrungen zu einer Änderung seiner Taktik: "Unser Ziel muss nicht der Tahrirplatz sein", sagte Ali in Barcelona in seine Videokamera. "Lasst uns nicht mit Polizeibeamten zusammenstoßen." Als Rückzieher sei das aber nicht zu verstehen: "Ganz Ägypten ist der Tahrirplatz."