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305 Todesopfer:Ägypten reagiert auf Anschlag mit Luftangriffen

Ägyptische Soldaten in Al-Arisch

Ägyptische Soldaten zeigen Präsenz auf der Sinai-Halbinsel.

(Foto: dpa)
  • Die ägyptische Luftwaffe hat mit Angriffen auf dem Sinai auf den verheerenden Anschlag auf eine Moschee im Norden der Halbinsel geantwortet.
  • In der Nacht wurden nach Angaben eines Sprechers mehrere Fahrzeuge zerstört, die bei dem Angriff auf die Moschee in Bir al-Abed angeblich benutzt worden waren.
  • Dabei sollen auch Verdächtige getötet worden sein.

Ägyptische Sicherheitskräfte haben nach einem der schwersten Anschläge in dem Land mit mindestens 305 Todesopfern eine Offensive gegen mutmaßliche Terroristen auf der Sinai-Halbinsel begonnen. Das Militär sei vor Ort und werde nicht eher ruhen, bis alle eliminiert seien, die an dem Anschlag auf die Moschee beteiligt gewesen seien, zitiert die staatliche Zeitung Al-Ahram ägyptische Sicherheitskreise.

Zudem hat die ägyptische Luftwaffe Angriffe auf dem Sinai gestartet. In der Nacht habe habe man mehrere Fahrzeuge zerstört, die bei dem Anschlag auf die Moschee in Bir al-Abed benutzt worden seien, teilte der Sprecher der ägyptischen Streitkräfte, Tamer al-Refai, auf seiner offiziellen Facebookseite mit. Eine nicht näher bezifferte Anzahl von Verdächtigen sei dabei getötet worden. "Die Angriffe trafen auch mehrere Verstecke der Terroristen, in denen Waffen und Munition versteckt wurden", so der Sprecher.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte nach dem Anschlag eine "harte Antwort" angekündigt. Die private Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm berichtete, dass mehr als 20 Angreifer mit automatischen Waffen an dem Gewaltexzess beteiligt gewesen sein sollen. Sie hatten die von einem Sufi-Orden genutzte Moschee während des Freitagsgebets mit Sprengsätzen und Schusswaffen angegriffen. Bislang bekannte sich noch niemand zu dem Anschlag, er trägt aber die Handschrift des sogenannten Islamischen Staates.

International wurde die Tat scharf verurteilt. "Die Welt kann Terror nicht tolerieren, wir müssen sie (die Terroristen) militärisch besiegen und ihre extremistische Ideologie, auf der ihre ganze Existenz fußt, diskreditieren", schrieb US-Präsident Donald Trump auf Twitter. In einem späteren Telefonat mit Al-Sisi verurteilte er den "feigen Anschlag" und versicherte, dass die USA "im Angesicht des Terrorismus" an der Seite Ägyptens stünden. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Bemühungen verstärken, Terrorismus und Extremismus in allen seinen Formen zu besiegen, wurde Trump weiter zitiert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich ebenfalls betroffen: "Gläubige Moslems, die sich zum traditionellen Freitagsgebet in ihrem Gotteshaus getroffen haben, sind Opfer von feigen Mördern geworden." Der UN-Generalsekretär António Guterres ließ seine Anteilnahme über einen Sprecher mitteilen: Er hoffe, dass die Täter schnell zur Verantwortung gezogen werden.

Viele der Getöteten sind nach Angaben von Augenzeugen noch am Freitag in Massengräbern beerdigt worden. Ägypten verhängte eine dreitägige Staatstrauer.

© SZ.de/dpa/spes/eca

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