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Whisky als Geldanlage:Daddys Schnapsidee

Die Whiskys der Macallan-Brennerei in der schottischen Grafschaft Banffshire gelten als besonders wertvoll.

(Foto: Matt Peyton/Invision for Zachys Wine Auction)

Ein Vater schenkt seinem Sohn zum ersten Geburtstag eine Flasche edlen Whisky, zum zweiten wieder und so weiter - bis der Sohn 28 ist. Eine super Geldanlage, wie sich jetzt herausstellt.

Von Alexander Menden

Darüber, ob schottischer Single-Malt-Whisky sich als Geldanlage eignet, gibt es eine Grundsatzdebatte. Auf der einen Seite stehen jene, die sagen, dass ein Whisky, der nur in der Flasche herumsteht und nicht getrunken wird, einer nie gespielten Stradivari gleiche - ihr Daseinszweck werde nicht erfüllt. Das gewichtige Gegenargument lautet, dass manche Flaschen gigantischen Wertsteigerungen unterliegen und sich der entgangene Genuss daher verschmerzen lässt.

Die Single Malts, also unverschnittene Whiskys auf Basis gemälzter Gerste, die in den vergangenen zehn Jahren die höchsten Preise erzielt haben, stammen überwiegend aus der Macallan-Brennerei in der schottischen Grafschaft Banffshire. Im vergangenen Jahr etwa erlöste eine Flasche 60 Jahre alten Macallans von 1926 umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Das Auktionshaus Sotheby's bezeichnete ihn damals als den "Heiligen Gral" unter den Single Malt Whiskys.

Whisky reift, anders als Wein, nur in Fässern; sobald er abgefüllt ist, ist er eine Art hochprozentige Zeitkapsel. Vielleicht war es diese Eigenschaft, die Pete Robson dazu bewegte, seinem Sohn Matthew von seinem ersten Geburtstag an jedes Jahr eine Flasche Macallan zu kaufen. Nun, mit 28, hat sich Matthew, der aus Taunton in England stammt, entschlossen, die Sammlung zu verkaufen. Ihr Wert wird auf umgerechnet 44 500 Euro geschätzt. Der Erlös soll ihm helfen, sich ein eigenes Haus leisten zu können.

Mit einer süßen Note von Sherry und Crème brûlée

Pete Robson, selbst gebürtiger Schotte, schenkte seinem Sohn jedes Jahr aufs Neue einen 18-jährigen Macallan. "Ich dachte, es wäre interessant, wenn ich jedes Jahr eine kaufen würde und er dann an seinem 18. Geburtstag 18 Flaschen 18 Jahre alten Whisky hätte", so Vater Robson im BBC-Interview. Der 18 Jahre alte Macallan gilt vielen Maltfreunden als König unter den sogenannten Speyside-Whiskys, die für ihren runden, wenig rauchigen Geschmack berühmt sind. Dem "18 Year Old" wird beim Einatmen eine süße Note von Sherry und Crème brûlée nachgesagt. Geschmacklich gilt er als "groß" und cremig, mit einer sehr leichten, torfigen Holzrauchnote.

"Es war nicht das einzige Geschenk, das er von uns bekommen hat", beteuerte Pete Robson. "Aber es war ein ungewöhnliches, und wir haben es durchgehalten." Und das zehn Jahre über den 18. Geburtstag hinaus. Matthew Robson gibt zu, dass er den Whisky als Kind als "etwas seltsames Geschenk" empfunden habe, da er ihn ja gar nicht habe trinken dürfen. Aber er habe ohnehin "strenge Anweisungen, sie niemals zu öffnen". So sei eine lückenlose Sammlung von 28 Flaschen zusammengekommen.

Pete Robsons Investition von rund 5500 Euro wird sich nun wohl rentieren. Der englische Whisky-Händler Mark Littler, der die Sammlung nun verkaufen soll, bezeichnet sie laut BBC als "perfektes Set". "Der Wert des Macallan ist in den letzten fünf bis zehn Jahren massiv gestiegen", sagt er. "Eine so große, lückenlose Sammlung ist schon das beste Verkaufsargument." Es hätten sich bereits zahlreiche Interessenten gemeldet, vor allem aus den Vereinigten Staaten und Asien.

© SZ/nas
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