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Warnung in Nationalparks:Jagd nach dem Bären-Selfie

Schwarzbär

"Schwarzbären wirken groß und schwerfällig, aber sie sind sehr, sehr schnell": In den USA wird vor Selfies mit wilden Tieren gewarnt.

(Foto: iStockphoto)

Wer hat Angst vor wilden Tieren? Am Lake Tahoe in den USA laufen immer mehr Besucher auf Bären zu - für das beste Foto. Nun hat die Forstbehörde eine Warnung ausgesprochen. Mit dem Selfie-Problem ist sie nicht allein.

Von Anna Fischhaber

Selfies sind ziemlich beliebt - aber mitunter auch ziemlich gefährlich. Immer wieder bringen sich Menschen für ein spektakuläres Bild in brenzlige Situationen. In Portugal stürzte kürzlich ein Ehepaar beim Versuch, ein Selfie zu machen, von einer Klippe in den Tod.

Auch in Nationalparks ist der Selfie-Trend angekommen - offensichtlich gibt es für ein Selbstporträt mit einem wilden Tier mehr Likes als für ein gewöhnliches Katzenvideo. Vor allem Bären-Selfies scheinen es den Menschen angetan zu haben.

Am Lake Tahoe in Kalifornien und Nevada ist die Zahl der Besucher, die Selfies mit Bären machten, so gestiegen, dass die Forstverwaltung nun eine Warnung veröffentlicht hat: Besucher sollten doch einen Sicherheitsabstand zu den Tieren einhalten.

"Die Leute rennen auf die Bären zu, um Selfies und Videos mit ihnen zu machen", erzählt Lisa Herron, Sprecherin der Waldregion Lake Tahoe Basin, der Website mashable.com. Im Oktober sehe die Situation nun so aus: Lachse kommen, um sich zu vermehren. Bären kommen, um sich zu ernähren. Und Menschen kommen, um ein Selfie zu machen.

Es könnte das letzte Foto gewesen sein, befürchtet offenbar die Forstverwaltung - auch wenn bislang nur von einer möglichen Attacke die Rede ist. "Das ist ein Sicherheitsproblem", sagt Herron dem Reno Gazette-Journal. "Jemand könnte attackiert werden." Sie warnt: "Schwarzbären wirken groß und schwerfällig, aber sie sind sehr, sehr schnell." Ende Oktober schließt das Besucherzentrum, Herron hofft, dass sich einige Probleme dann von selbst erledigen. Die Forstverwaltung könnte sonst die Gegend aus Sicherheitsgründen schließen.

Im August war eine Frau am Lake Tahoe von einem Schwarzbären angefallen worden, als sie ihn verbotenerweise fütterte. Ihre Wunden an den Schultern mussten behandelt werden, die Verantwortlichen überlegten, ob sie eine Anzeige erstatten - angeblich hatten sie die Frau bereits mehrfach gewarnt. "Wir wollen die Menschen nur daran erinnern, dass sie auf den Wegen bleiben und das Leben der Tiere respektieren", sagt Herron. "Wenn man einen Bären trifft, ist es das Beste, sich langsam zu entfernen."

Video mit Verhaltensregeln

Mit dem Selfie-Problem steht die US-Region nicht alleine da. In Thailand hat die für Nationalparks zuständige Behörde Schilder mit einer Warnung vor Selfies mit Wildtieren aufgestellt. Auch dort hatten sich Touristen für Fotoaufnahmen zu nah an den Abgrund gestellt oder Krokodilen und wilden Elefanten genähert, berichtet Der Farang.

In der Schweiz hat der WWF sogar ein Video mit Verhaltensregeln im Umgang mit Bären veröffentlicht. Dort sorgte der Bär "M25" für Angst in den Alpen. "Wahrscheinlich wirst du den Bären nie zu Gesicht bekommen", heißt es in dem Film. Falls doch: "Provoziere einen Bären nicht." Und: "Mach keine Fotos - auch nicht für einen Schnappschuss für Facebook."

Dann vielleicht doch lieber ein Katzenvideo. Oder ein Selfie des eigenen Haustiers auf der Wohnzimmercouch.

© SZ.de/olkl/hum

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