Vor Gericht:Gericht setzt im Höxter-Prozess Gutachter ab

Vor Gericht: Das sogenannte Horrorhaus von Höxter.

Das sogenannte Horrorhaus von Höxter.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)
  • Der Höxter-Prozess ist schon weit fortgeschritten, dennoch wird jetzt einer der wichtigsten Sachverständigen ausgetauscht.
  • Nahlah Saimeh soll jetzt nicht nur die Angeklagte Angelika W., sondern zusätzlich auch deren Ex-Mann Wilfried W. begutachten.
  • Dadurch könnte sich die Urteilsverkündung um Monate verschieben.

Im Mordprozess um das Horror-Haus von Höxter hat das Landgericht Paderborn den Sachverständigen Michael Osterheider aus gesundheitlichen Gründen von seiner Aufgabe entbunden. Das teilte das Gericht am Dienstag mit. Der Professor der Uni Regensburg hatte sich bei seiner Aussage als Zeuge Mitte November in Widersprüche verwickelt und sich anschließend krank gemeldet.

Die Sachverständige Nahlah Saimeh, Ärztliche Direktorin der Gerichtspsychiatrie in Lippstadt-Eickelborn, soll jetzt nicht nur die Angeklagte Angelika W., sondern zusätzlich auch deren Ex-Mann Wilfried W. begutachten. Sie traf sich zu einem ersten Treffen mit dem Angeklagten nach der mündlichen Verhandlung am Dienstag. Anschließend äußerte sich sein Anwalt positiv zu der Entscheidung des Gerichts.

Der Gutachterwechsel ist umstritten

Angelika und Wilfried W. sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Mehrere Jahre lang soll das Paar Frauen in das Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Angelika W. beschuldigt ihren Ex-Ehemann zudem, auch sie selbst schwer misshandelt zu haben. Er habe ihr unter anderem Arm und Schulter mit kochend heißem Wasser verbrüht. Wilfried W. sagt, das sei gelogen: die Verbrühung habe sie sich selbst zugefügt, um arbeitsunfähig geschrieben zu werden.

Der Gutachterwechsel ist umstritten: Angesehene Gerichtspsychiater hatten in der SZ Zweifel geäußert, ob ein solches Verfahren fachlich angemessen sei. "Ich würde mich sehr schwertun, so einen Auftrag zu übernehmen", sagte etwa der Münchner Forensiker Norbert Nedopil. Wenn man sich schon intensiv mit einem Angeklagten beschäftigt habe, sei es schwer, sich bei der Begutachtung des "gegnerischen" Angeklagten von dem bereits gewonnenen Bild frei zu machen.

Saimeh versuchte am Dienstag vor Gericht Bedenken zu zerstreuen, dass sie nach einem Jahr als Gutachterin für Angelika W. den Angeklagten nicht objektiv beurteilen könne. Den Anwälten bot sie an, ausnahmsweise bei ausgewählten Gesprächen mit Wilfried W. dabei zu sein. "Das ist dann für alle transparent und fair", sagte Saimeh im Prozess.

Hätte das Gericht einen völlig neuen Sachverständigen bestellt, hätte der Prozess wohl von vorne beginnen müssen. Aber auch der nun vollzogene Experten-Wechsel wird das Prozessende um Monate nach hinten verschieben. Ein Urteil wird erst 2018 erwartet. Der Vorsitzende Richter hat deshalb seinen Ruhestand vorsorglich verschoben. "Eigentlich wäre für mich Ende Mai Schluss", sagte der 65-Jährige. Falls es doch schneller geht, könne er seinen Antrag aber jederzeit zurückziehen.

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