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Verurteilter Ex-Lobbyist Jack Abramoff:Vom Milliardär zum Pizzabäcker

Jack Abramoff war einer der einflussreichsten Polit-Netzwerker in Washington. Seinen mächtigen Freunden schob er Millionen an Bestechungsgeldern zu. Nun backt er kleinere Brötchen.

Vor gar nicht allzu langer Zeit dinierte Jack Abramoff noch in feinen Restaurants. Beim Essen schob der Lobbyist hochrangigen Politikern über das weiße Tischleinen hinweg Bestechungsgelder in Millionenhöhe zu. Heute jobbt Abramoff in einer Pizzeria - und über den Tresen dort geht nur das Wechselgeld.

Jack Abramoff, Reuters

Der ehemals milliardenschwere US-Starlobbyist Jack Abramoff jobbt nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe in einer Pizzeria in Baltimore.

(Foto: Reuters)

Nach Verbüßung einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe - unter anderem wegen Betrugs und Korruption - verdingt sich der gefallene Polit-Netzwerker nun als Pizzabäcker: Auf der Internetseite von "Tov Pizza" ist zu lesen, dass es hier die "beste koschere Pizza Baltimores" gebe. Abramoff dürfte sie dennoch im Halse steckenbleiben: Nach Angaben der New York Times verdient der Ex-Milliardär hier nicht mehr als zehn Dollar (rund acht Euro) pro Stunde.

Vielleicht ist der frühere Star-Lobbyist, der vor allem die Interessen von Indianer-Reservaten vertrat, die in ihren Gebieten Spielcasinos errichten wollten, aber auch ganz froh, dass er nun kleinere (Pizza-) Brötchen backen darf. Im Gefängnis soll sich Abramoff verstärkt den Lehren des Judentums gewidmet haben, berichtet die Zeitung.

Kontakte zur amerikanischen Polit-Prominenz

"Er ist nicht das Monster, als das er dargestellt wurde", nimmt ihn der Inhaber von "Tov Pizza", Ron Rosenbluth, in Schutz. Zwar hätten ihn alle gefragt, wie er Abramoff anstellen könne. "Aber ich sagte: Warum nicht? Er begleicht doch seine Schuld an der Gesellschaft!"

Der einflussreiche Interessenvertreter war 2006 wegen Betrugs, Korruption und Verschwörung zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt worden, dreieinhalb davon saß er ab. Abramoff verfügte bis zu seiner Festnahme über weit verzweigte Kontakte bis in die Spitzen der republikanischen Partei unter US-Präsident George W. Bush hinein . Durch seine Vergehen geriet damals auch die gesamte Partei in Misskredit - die Demokraten warfen den Republikanern vor, eine "Kultur der Korruption" zugelassen zu haben .

Dass sich der fragwürdige Ruf des neuen Pizzabäckers negativ auf das Geschäft auswirken könnte - davor hat man bei "Tov Pizza" keine Angst. Im Gegenteil: Besitzer Rosenbluth erhofft sich von Abramoff, der in Washington selbst Besitzer eines koscheren Restaurants war, Marketingtipps, wie die New York Times berichtet.

Und nicht zuletzt spekuliert man wohl auch darauf, dass das mediale Interesse am berühmt-berüchtigten Angestellten Neugierige in die Pizzeria lockt. "So etwas wie schlechte Publicity gibt es nicht", sagte ein Neu-Kollege Abramoffs.

Über die Karrierechancen des Ex-Lobbyisten im Pizzageschäft wollte Rosenbluth, der seit 26 Jahren bei "Tov Pizza" arbeitet, keine Aussagen machen: "Er ist ja erst seit drei Tagen da."