bedeckt München 17°

Verdacht auf Menschenhandel:Sechs Festnahmen bei Razzia in Berliner Luxus-Bordell

  • 900 Beamte von Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll und Steuerfahndung durchsuchten das Bordell im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
  • Es geht unter anderem um Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit sowie um den Verdacht auf Menschenhandel.
  • Das 3000 Quadratmeter große Artemis ist das größte Bordell der Stadt und hat Platz für 70 Prostituierte und 600 Freier.

Im Edel-Bordell Artemis im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat die Polizei am Mittwochabend mit einer Großrazzia begonnen. An der Aktion seien insgesamt rund 900 Beamte von Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll und Steuerfahndung beteiligt, sagte der Sprecher der Berliner Polizei, Stefan Redlich. Am Donnerstagvormittag will sich die Staatsanwaltschaft näher zu dem Einsatz äußern.

Es geht unter anderem um Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit sowie um den Verdacht auf Menschenhandel. So sollen die Betreiber des Bordells die Prostituierten als selbständig deklariert haben, tatsächlich hätte es aber ein "strenges, engmaschiges Reglement" gegeben, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die Frauen hätten genaue Arbeitszeiten, Preisvorgaben und ärztliche Kontrollen einhalten müssen. Seit das Artemis vor mehr als zehn Jahren eröffnete, könnten die Betreiber so laut einer Schätzung der deutschen Rentenversicherungsträger Sozialabgaben in Höhe von 17,5 Millionen Euro hinterzogen haben. Dazu kommt nach Polizeiangaben ein Steuerschaden in Höhe von sechs Millionen Euro, sodass eine Summe von rund 23 Millionen Euro im Raum stehe.

Steltner bestätigte außerdem "Kontakte ins Rockermilieu", die einige der Prostituierten gehabt haben sollen. Laut Informationen der Tageszeitung Die Welt handelt es sich dabei um eine Hells-Angels-Gruppierung um den Berliner Boxer Kadir P., der derzeit wegen Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft sitzt. Ermittlungen ergaben außerdem, dass die Betreiber sich einige der Prostituierten als "Hausdamen" gehalten hätten, so Martin Steltner.

Sechs Verdächtige festgenommen

Bei dem gegen 20 Uhr begonnenen Großeinsatz wurden nach Angaben des Polizeisprechers 212 Menschen in dem Bordell angetroffen - Prostituierte und Freier. Sie hätten keinen Widerstand geleistet und hätten sich kooperativ verhalten.

Im Laufe des Abends hat die Polizei insgesamt 16 Objekte in ganz Berlin durchsucht, darunter mehrere Wohnungen. Dabei seien Arbeitspläne und Firmendokumente sichergestellt worden, sagte Michael Kulus, Sprecher des Hauptzollamtes in Berlin, der die Operation als Erfolg wertete. Insgesamt wurden sechs Haftbefehle vollstreckt - zwei gegen die Betreiber des Bordells und vier gegen dort arbeitende Frauen.

Das 3000 Quadratmeter große Artemis ist das größte Bordell der Stadt. Das Gebäude hat Platz für 70 Prostituierte und 600 Freier, wird als FKK- und Saunaclub betrieben und beherbergt unter anderem Saunen, einen Swimmingpool und Kinos. Es befindet sich an der am Abend komplett gesperrten Halenseestraße am westlichen Ende des Kurfürstendamms.

Über Twitter verbreiteten Nutzer Bilder von dem Großeinsatz.

© SZ.de/dpa/jly
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema