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Prozess in Lübeck:Lange Haftstrafe für Serienvergewaltiger

  • Von Mai bis August 2018 wurden in Lübeck zwei Frauen vergewaltigt, zwei weitere konnten dem Täter entkommen.
  • Auffällig war, dass die Übergriffe immer an einem Sonntagmorgen in der gleichen Umgebung stattfanden.
  • Das Landgericht Lübeck hat einen 30-Jährigen zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, er hat die Taten gestanden.

Im vergangenen Sommer hat ein Serienvergewaltiger in Lübeck insgesamt vier Frauen überfallen. Nun ist das Urteil gegen den 30-jährigen Angeklagten gefallen: der Mann muss acht Jahre und drei Monate in Haft, verkündete das Landgericht Lübeck. Mit dem Urteil folgte das Gericht im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Gefängnisstrafe von neun Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte sechseinhalb Jahre Haft beantragt. "Für jedes der Opfer war die Tat eine persönliche Katastrophe", sagte Richterin Helga von Lukowicz.

Der Angeklagte hatte die Taten zum Prozessauftakt Mitte Januar gestanden. "Ich gebe zu, dass ich das, was mir vorgeworfen wird, getan habe, und ich weiß, dass das etwas Schlimmes war", sagte er damals. Er habe viel getrunken und Haschisch und Marihuana geraucht, dadurch habe er die Kontrolle verloren.

Prozess in Lübeck

Angeklagter gesteht Vergewaltigungsserie

Im vergangenen Sommer sind in Lübeck vier Frauen von einem Mann überfallen worden. Auffällig ist, dass der Täter immer zur gleichen Zeit, am gleichen Ort zuschlug.

Insgesamt zwei Frauen wurden von dem Mann vergewaltigt, bei zwei weiteren hatte er es versucht. Auffällig war, dass die Übergriffe immer an einem Sonntagmorgen auf oder am Rande der Lübecker Altstadtinsel stattfanden. Er sei immer bis zum frühen Morgen mit Freunden in Bars oder Diskotheken gewesen, auf dem Heimweg habe er dann die Frauen überfallen, begründete dies der Angeklagte.

Eines der Opfer, eine 24-jährige Auszubildende, hatte im Prozess ausgesagt, der Angeklagte habe ihren Kopf mit voller Wucht auf den Boden geschlagen. Anschließend habe er sie dreimal unter den Arkaden an der Lübecker Marienkirche vergewaltigt. "Ich war fünf Wochen lang nicht arbeitsfähig und konnte meine Wohnung nur in Begleitung verlassen", sagte die 24-Jährige über die psychischen Folgen der Tat. Eine 17-Jährige zerrte der Angeklagte in einer Grünanlage in ein Gebüsch, um sie zu vergewaltigen.

Eine 31 Jahre alte Studentin entkam dem Mann, indem sie sich wehrte, kratzte und biss. Jedoch wurde sie dabei erheblich verletzt. Auch eine 23 Jahre alte Arzthelferin entging knapp der Vergewaltigung. "Er war deutlich kleiner als ich. Deshalb habe ich ihn am Hals gepackt und gewürgt bis er mich losließ", sagte die nach eigenen Angaben 1,80 Meter große Frau. "Mir war klar, dass er mich vergewaltigen würde, wenn ich mich nicht wehre."

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