Umstrittene Giftspritzen bei Hinrichtungen:21 Todeskandidaten klagen gegen Oklahoma

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Mehrere US-Bundesstaaten experimentieren bei Hinrichtungen seit Jahren mit unerprobten Giftcocktails. Jetzt klagen 21 Todeskandidaten gegen den Bundesstaat Oklahoma. Doch der Termin für die nächste Hinrichtung steht bereits fest.

  • Umstrittene Hinrichtung mit der Giftspritze - 21 Todeskandidaten ziehen gegen US-Bundesstaat Oklahoma vor Gericht.
  • Auslöser war ein Vorfall Ende April, als ein Häftling bei einer missglückten Giftspritzen-Exekution qualvoll starb.
  • Termine für kommende Hinrichtungen stehen schon fest.

21 Todeskandidaten verklagen Oklahoma

Zwei Monate, nachdem ein Häftling bei einer missglückten Hinrichtung qualvoll gestorben ist, haben 21 Todeskandidaten im US-Bundesstaat Oklahoma Klage gegen die Strafvollzugsbehörde eingereicht. In dem Schriftstück kritisieren sie vor allem die umstrittene Exekutionsmethode, die auch ihnen drohe.

Die Kläger sehen nach eigenen Angaben "die hohe Gefahr", dass die Strafvollzugsbehörde bei ihnen "die gleichen oder ähnliche Produkte und Prozeduren anwendet" wie bei der Hinrichtung Ende April.

Debatte über umstrittene Hinrichtungspraktiken

In Oklahoma war damals die Hinrichtung eines Todeskandidaten abgebrochen worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab. Der Mann wand sich 43 Minuten lang im Todeskampf vor Schmerzen, bis er schließlich einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Der Vorfall im April hatte in den USA die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht, Präsident Barack Obama bezeichnete die Ereignisse als "zutiefst verstörend" und ordnete an, die Hinrichtungspraxis überprüfen zu lassen.

Probleme mit den Giftinjektionen

Schon seit einigen Jahren gibt es in den USA Probleme bei der Versorgung mit den Mitteln für die Giftinjektionen. Die europäischen Zulieferfirmen weigern sich, dafür das Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern. Mehrere der 32 Bundesstaaten, die in den USA noch die Todesstrafe vollstrecken, benutzen seitdem für Hinrichtungen neue Mittel, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind.

Termin für nächste Vollstreckung steht schon fest

Nach der Tragödie setzte Oklahoma alle Hinrichtungen für sechs Monate aus, die nächste Vollstreckung einer Todesstrafe ist aber schon terminiert: Sie soll am 13. November stattfinden. Auch in anderen Bundesstaaten wurden Hinrichtungen verschoben, inzwischen ist in den Bundesstaaten Georgia, Missouri und Florida aber jeweils ein Todesurteil vollstreckt worden. Bei der Hinrichtung in Georgia galt erstmals ein Gesetz, das Stillschweigen über die Herkunft der gespritzten Substanzen vorschreibt. Als Reaktion auf die Debatte um die umstrittenen Giftspritzen hat der Bundesstaat Tennessee den elektrischen Stuhl wieder eingeführt.

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