Todesstrafe in den USA:Oberstes Gericht stoppt umstrittene Hinrichtung

Death row inmate Russell Bucklew is shown in Missouri Department of Corrections photo

Aufschub für Russell Bucklew.

(Foto: REUTERS)

Der verurteilte Mörder Russell Bucklew sitzt seit 18 Jahren im Gefängnis. Wegen seiner medizinischen Verfassung kämpften seine Anwälte gegen die Vollstreckung des Todesurteils. Jetzt hat das oberste US-Gericht in Washington die Hinrichtung ausgesetzt - im letzten Moment.

Die Hinrichtung des verurteilten Mörders Russell Bucklew in den USA ist gestoppt worden. Weniger als eine Stunde vor dem angesetzten Vollstreckungstermin an diesem Mittwoch setzte das oberste US-Gericht in Washington die Vollstreckung des Todesurteils aus. Zuvor hatte ein Richter im Bundesstaat Missouri die Exekution bereits einmal für ausgesetzt erklärt, diese Entscheidung war aber wenige Stunden später vom Gerichtssenat wieder aufgehoben worden.

Bucklew soll hingerichtet werden, weil er 1996 den neuen Freund seiner Ex-Freundin erschoss, die Frau vergewaltigte und androhte, sie ebenfalls umzubringen. Er hatte sich aufgrund seiner medizinischen Verfassung juristisch gegen die Verabreichung der Giftspritze gewehrt - und eine Videoaufzeichnung seiner Exekution gefordert.

Seinen Anwälten zufolge leidet Bucklew unter seltenen Gefäßtumoren im Kopf und im Hals sowie unter Kreislaufstörungen. Ein Arzt, der Bucklew untersuchte, kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass der verurteilte Mörder deswegen bei der Hinrichtung ersticken könnte. Nach Einschätzung seiner Anwälte wäre das ein Verstoß gegen die US-Verfassung, die eine "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" verbietet.

Die geplante Vollstreckung des Todesurteils hatte auch deshalb für Diskussionen gesorgt, weil eine Hinrichtung Ende April im Bundesstaat Oklahoma extrem qualvoll verlaufen war. Schuld war die Giftmischung, die zuvor nicht erprobt worden war. Der Fall hatte in den USA eine neue Debatte über die Todesstrafe ausgelöst. Welches Gift bei Bucklew eingesetzt werden sollte, blieb unklar, die Behörden weigerten sich, dazu Stellung zu nehmen.

In den vergangenen Jahren haben Häftlinge bei ihrer Hinrichtung in den USA immer wieder schreckliche Qualen gelitten. Die Behörden haben seit Längerem Nachschubprobleme bei den Mitteln für die Giftspritzen, weil sich die europäischen Hersteller weigern, diese weiter für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten testeten daher neue und nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/feko/anri
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