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Tod von Michael Brown:Ferguson atmet durch

Einige Demonstranten in Ferguson bilden eine Menschenkette, um aggressive Protestierende und Polizisten voneinander zu trennen.

(Foto: AFP)

Seit zehn Tagen liefern sich Polizisten und Demonstranten in Ferguson gewaltsame Auseinandersetzungen, nun scheint sich die Lage langsam zu entspannen. Das liegt auch daran, dass die Fronten zunehmend verschwimmen.

Es wird ruhiger auf den Straßen von Ferguson, so der Eindruck nach der vergangenen Nacht. Zwar versammelten sich erneut Hunderte Menschen zu einer Demonstration im Zentrum des Vorortes von St. Louis, doch diesmal blieb der Protest weitgehend friedlich. Erst um Mitternacht kam es kurzzeitig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften. Ron Johnson, der Chef der Autobahnpolizei, der bei vielen Demonstranten Respekt genießt, spricht von einem "Wendepunkt" der Proteste.

"Heute Nacht haben wir eine andere Dynamik erlebt", wird Johnson von der New York Times zitiert. Schon die Zahl der friedlichen Demonstranten sei kleiner gewesen als in den vergangenen Nächten. Außerdem habe sich der Protestzug recht früh am Abend aufgelöst.

Zuvor war das anders. Seit der schwarze Teenager Michael Brown durch sechs Kugeln aus der Pistole eines weißen Polizisten getötet wurde, schaukelte sich die Gewalt zwischen den Menschen auf der Straße und den Einsatzkräften immer weiter hoch. Demonstranten warfen Steine und Molotowcocktails, die Polizei feuerte Tränengas und Gummigeschosse. Plünderer verwüsteten Geschäfte, demolierten Verkehrsschilder, bauten Barrikaden. In der Nacht zum Dienstag wurden bei schwere Unruhen zwei Demonstranten durch Schüsse verletzt.

Zwar wurde in der vergangenen Nacht im benachbarten St. Louis erneut ein junger Afro-Amerikaner von der Polizei erschossen. Er soll mit einem Messer auf mehrere Beamte losgegangen sein. Auch hier versammelte sich schnell eine größere Menschenmenge, doch auch hier blieb ein erneuter Ausbruch der Gewalt aus.

Das Abflauen der heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Fronten immer mehr verwischen. Viele, die in den vergangenen Tagen in friedlicher Absichten auf die Straße gingen, sind genervt. Vom harten Durchgreifen der Polizei, aber auch von gewalttätigen Protestlern, die gezielt provozieren und auf die Einsatzkräfte losgehen.

Ron Johnson hatte zuletzt vor "Gesetzesbrechern" gewarnt, die sich im Dunkel der Nacht unter die friedlichen Demonstranten mischen würden. Es handle sich um organisierte und zunehmend gewaltbereite "Auftreiber", die im Schutz der Masse gezielt die Auseinandersetzung suchten.

Zumindest ein Teil dieser Auftreiber stamme gar nicht aus Ferguson, berichteten sowohl Johnson als auch der Anwalt Malik Shabazz. "Das sind Provokateure von außerhalb", sagte Shabazz in einem Fernsehinterview. Einem CNN-Bericht zufolge stammen einige der Männer, die am Montagabend festgenommen wurden, aus anderen Bundesstaaten wie New York, Kalifornien, Texas und Alabama.

CNN berichtete auch über Demonstranten, die T-Shirts mit dem Aufdruck "Peacekeeper" verteilten. Am Dienstagabend bildeten zahlreiche Demonstranten eine Menschenkette und stellten sich zwischen die Polizei und eine kleinere Gruppe aggressiver Protestierender. Immer mehr Menschen, so scheint es, sind nach den aufreibenden Nächten der vergangenen Woche auch müde. Sie sehnen sich nach Ruhe und wollen die Aggressivität aus den Protesten herausnehmen.

An diesem Mittwoch beginnt die juristische Aufarbeitung von Michael Browns Tod (die wichtigsten Fragen und Antworten dazu hat CNN zusammengestellt). Den Menschen in Ferguson könnte das eine weitere ruhige Nacht bescheren.

© Süddeutsche.de/jst/leja

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