Südamerika Abgehoben

Seit gut einem Jahr schwebt die Seilbahn "Mukumbari" wieder über der venezolanischen Stadt Mérida.

(Foto: AFP)

Während unten die Demokratie stirbt, schwebt hoch oben in Venezuelas Bergen die weltgrößte Zugseilbahn. Gefeiert wird sie als Errungenschaft der Revolution, gebaut wurde sie in Österreich. Dort wartet man bis heute auf das Geld.

Von Boris Herrmann

Von oben betrachtet ist Venezuela ein bezauberndes Land, immer noch. 4765 Meter über dem Meer, wo die Bergstation der Mérida-Seilbahn steht, da kann man tatsächlich für einen Moment vergessen, dass unten die Politiker betrügen, die Milizen morden, die Menschen hungern, die Demokratie stirbt.

Man blickt stattdessen auf eine Wolkendecke herab, die wie Zuckerwatte zwischen den Andenausläufern klebt. Auf einer kleinen Anhöhe neben der Bergstation thront die Jungfrau Maria, etwa drei Meter groß, feinster Marmor aus Carrara. Sie scheint hinüberzuschauen zum ...