Studie über Verhalten auf Facebook Zu viele Fotos schaden der Freundschaft

Ständig neue Selbstporträts, die Fotos vom letzten Ausflug mit Freunden oder vom neuen Auto: Bilder aus dem eigenen Leben zu teilen, ist in sozialen Netzwerken essentiell. Jetzt haben britische Forscher herausgefunden, dass die Flut an Fotos eher schadet als vernetzt.

Von Christina Metallinos

Ob beim Federballspielen am See, in der Fußgängerzone neben dem zufällig getroffenen Lieblingsfußballer oder im Backpacker-Outfit vor dem Kilimandscharo: In den Facebook-Alben mancher Nutzer folgt ein Selbstporträt dem nächsten. Jetzt zeigt eine Studie aus Großbritannien, welche Auswirkungen das exzessive Posten von Fotos auf die Beziehungen zu den Menschen in der eigenen Freundesliste hat.

"Man sollte daran denken, dass die Informationen, die wir auf Facebook für unsere 'Freunde' posten von Menschen aus vielen unterschiedlichen Kategorien gesehen werden: Partner, Freunde, Familie, Kollegen und Bekannte", sagt Houghton, "Und jede dieser Gruppen scheint die geteilten Informationen unterschiedlich aufzunehmen."

Für die Untersuchung teilten die Forscher die Facebookfotos in unterschiedliche Kategorien wie Selbstporträt, Freundeskreis oder Objekte ein und untersuchten die Einflüsse der Fotos anhand der Reaktionen auf 508 Versuchspersonen. Dabei wurden die empfundene Nähe zum Verfasser eines Foto-Postings sowie die Hilfsbereitschaft ihm gegenüber abgefragt.

Hobbyfotografen kommen nicht gut an

Allgemein lässt sich sagen, dass Selbstporträts in allen Fällen zu weniger empfundener Nähe geführt haben - und somit zum Verfall von Freundschaften beitragen. Doch auch die Ergebnisse der anderen Fotografietypen ermuntern einen nicht gerade, das eigene Fotoalbum weiter zu bestücken: "In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass diejenigen, die häufig Fotos auf Facebook posten, einen Verfall ihrer Freundschaften im echten Leben riskieren", sagt Forscher David Houghton, "Außer wirklich engen Freunden und Verwandten scheinen die Leute diejenigen, die ständig Fotos von sich selbst teilen, nicht wirklich sympathisch zu finden."

Selbstporträts für Facebook

Ich fotografiere, also bin ich

Da Sympathie nicht nur auf das Internet beschränkt ist, beeinflusst das Verhalten auf Facebook auch die Qualität von Freundschaften in der realen Welt. Am Beispiel des Freundestyps "Partner" zeigt sich allerdings, dass das Teilen von Fotos positive und negative Auswirkungen zugleich haben kann: So führten die Fotos, die ein Partner von seiner Familie gepostet hat, zu erhöhter Hilfsbereitschaft. Teilte der Angebetete jedoch Bilder von Ereignissen, schadete dies den Werten für empfundene Nähe. Außerdem fand das Team heraus, dass das Teilnehmen an Fotoaktionen kommerzieller Seiten, etwa von bestimmten Marken im Rahmen von Fotowettbewerben, im eigenen Freundeskreis überhaupt nicht gut ankommt.

In ihrer Studie präsentieren David Houghton und die anderen Forscher ziemlich simplen und eigentlich selbstverständlichen Lösungsvorschlag: die genaue Auseinandersetzung mit den eigenen Kontoeinstellungen. Man solle sehr detailliert die Einstellungen in Sachen Privatsphäre vornehmen - so kann man sicher sein, dass man mit eigentlich alltäglichen Informationen keine unsichtbare Grenze zwischen sich und Teilen seines Freundeskreises überschreitet.