Steubenville-Prozess:Football-Spieler wegen Vergewaltigung verurteilt

In ihrer Heimatstadt galten sie als Stars - jetzt müssen sie ins Gefängnis: Zwei Spieler eines High-School-Teams sind verurteilt worden, weil sie eine 16-Jährige vergewaltigt und Fotos von der Tat ins Netz gestellt haben. Sie sollen nicht die einzigen Beteiligten gewesen sein.

Kurznachrichten, Handyfotos, Videos: Die Vergewaltigung einer 16 Jahre alten Schülerin in der US-amerikanischen Kleinstadt Steubenville kam über Online-Netzwerke ans Licht und entwickelte sich im Internet schnell zum vieldiskutierten Kriminalfall. Jetzt ist das Urteil gefallen. Einer der beiden Teenager muss zwei Jahre, der andere ein Jahr in Jugendhaft. Laut CNN könnte der Arrest jedoch ausgeweitet werden, bis die Verurteilten 21 sind.

Den heute 16 und 17 Jahre alten Mitgliedern des örtlichen Football-Teams "Big Red" wird vorgeworfen, im Sommer 2012 auf einer Party ein betrunkenes Mädchen vergewaltigt zu haben. Twitternachrichten, Fotos und Videos, die noch in der Nacht von verschiedenen Personen ins Netz gestellt wurden, wiesen auf das Verbrechen hin. Immer wieder fielen darin laut einem Bericht der New York Times die Worte "Vergewaltigung" und "betrunkenes Mädchen".

Die Netz-Analystin Alexandria Goddard, die in ihrem Blog über Kriminalität in den USA schreibt, hörte früh von den Vergewaltigungs-Gerüchten und begann, alle Details, die über den Fall im Internet kursierten, per Screenshot festzuhalten - bevor sie von den Verfassern wieder gelöscht werden konnten. Aus dem gesammelten Material ging nicht nur hervor, dass die beiden Jungen das betrunkene Mädchen vergewaltigt hatten. Es ließ sich auch daraus schließen, dass mehrere Football-Spieler bei der Tat zusahen, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Einige von ihnen sollen während des Übergriffs selbst fotografiert und gefilmt haben.

Die Bloggerin sagte in einem Interview, sie habe das "Beweismaterial" auch deshalb zusammengetragen, weil sie davon ausgegangen war, dass die Polizei nicht akribisch genug suchen würde. Die "Big Red" gelten im football-verrückten Steubenville als Stars, in den vergangenen Jahren holten sie mehrere Trophäen, die Heimspiele der Highschool-Mannschaft sind stets ausverkauft.

"Alle wussten davon"

Die Reaktionen auf die Festnahme der beiden Spieler fielen dementsprechend unterschiedlich aus: Viele Einwohner forderten hohe Strafen für die Angeklagten und zeigten sich empört darüber, dass nur die beiden Haupttäter beschuldigt wurden. Von einem Sonderstatus für die Mitglieder des Footballteams war die Rede - und davon, dass die Polizei eine schützende Hand über die "Big Red" halte.

Auch die Hackergruppe Anonymous schaltete sich in den Fall ein und veröffentlichte Videomaterial, das beweisen sollte, dass sich in der Tatnacht nicht nur die zwei Angeklagten schuldig gemacht hatten. "Warum sind nicht mehr Kinder im Gefängnis. Sie wussten alle davon", schrieb auch Goddard auf ihrer Internetseite.

Andere dagegen ergriffen Partei für die Angeklagten. Beim Herald Star, der Lokalzeitung von Steubenville, ging ein Leserbrief ein, der Bloggerin Goddard beschuldigte, Rufmord zu betreiben und zu Lynchjustiz aufzurufen. Laut New York Times beschuldigte ein Trainer der "Big Red" die 16-jährige Schülerin, sich die Vergewaltigung nur ausgedacht zu haben. "Und jetzt versuchen die Leute, unser Football-Programm zu zerstören."

Täter entschuldigen sich

Vor dem Urteil entschuldigten sich die beiden Angeklagten laut CNN bei dem Opfer und seiner Familie. "Ich hatte nicht vor, so etwas zu tun und es tut mir leid, dass ihr wegen mir so etwas durchmachen müsst", sage der eine. Der andere wird mit den Worten zitiert: "Die Fotos hätten nicht veröffentlicht oder überhaupt gemacht werden dürfen."

Das Opfer selbst war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Bei ihrer Vernehmung hatte sie ausgesagt, sich nicht wirklich an die Tat erinnern zu können. Sie habe viel getrunken und sei am nächsten Morgen nackt auf einem Sofa in einem fremden Haus aufgewacht. Es sei ihr zu peinlich gewesen, nachzufragen und sie sei nach Hause gegangen. Bekannte sollen die Eltern des Mädchens auf die Bilder im Internet aufmerksam gemacht haben. "Ich denke, sie ist froh, dass es vorbei ist. Sie will nur in ihr normales Leben zurückkehren", sagte der Anwalt des Opfers nach der Urteilsverkündung.

© Süddeutsche.de/feko/jst/bavo
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