Spielerfrauen:Ein Fall für Wagatha Christie

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Spielerfrauen: Da teilten sie noch ihre Liebe für Sonnenbrillen, Stadienbesuche und Smalltalk: Coleen Rooney (links) und Rebekah Vardy (rechts) bei einem EM-Spiel 2016.

Da teilten sie noch ihre Liebe für Sonnenbrillen, Stadienbesuche und Smalltalk: Coleen Rooney (links) und Rebekah Vardy (rechts) bei einem EM-Spiel 2016.

(Foto: Jean Catuffe/Getty Images)

Mit akribischer Detektivarbeit überführte Coleen Rooney einst ihre Freundin Rebekah Vardy des angeblichen Vertrauensbruchs. Der Rosenkrieg der beiden britischen Spielerfrauen findet jetzt sein Finale vor Gericht.

Von Silke Wichert

Hercule Poirot wäre stolz auf Coleen Rooney. Die Frau des ehemaligen englischen Nationalspielers Wayne Rooney hat ganz offensichtlich das Zeug zum Hobbydetektiv, und so wie es der Meister mit dem gezwirbelten Schnurrbart zu tun pflegte, legte auch sie ihre messerscharf kombinierten Ermittlungsergebnisse gleich einer breiten Öffentlichkeit dar. Auf Twitter, wie man das im populären Aufklärungs-Geschäft halt so macht. Dummerweise wird sie genau dafür nun von der Hauptverdächtigen wegen Verleumdung verklagt. Klassisches Berufsrisiko, passiert selbst den besten ihres Fachs.

Aber zunächst zu den Fakten: Coleen Rooney, 36, als Wag, wie im Englischen die Kurzform von "Wives and Girlfriends" heißt, eigentlich daran gewöhnt, die Hälfte ihres echten oder erfundenen Privatlebens in der englischen Boulevardpresse wiederzufinden, liest vor einigen Jahren in der Sun plötzlich vermehrt Details, die ihr dann doch ein bisschen zu privat sind. Beispielsweise dass sie nach der Geburt ihres dritten Sohnes die eigene Plazenta in Pillenform schluckt. Ihr Verdacht: Jemand aus dem engsten Freundeskreis muss Informationen weitergeben. Rooney macht sich an die Arbeit und stellt ihrer Hauptverdächtigen eine 1a-Falle. Sie postet erfundene Geschichten auf Instagram und blockt sie für alle Follower bis auf eine: ihre "gute" Freundin Rebekha Vardy, 40, Ehefrau des Leicester-City-Spielers James Vardy.

Spielerfrauen: Noch ein kleiner Stop für die Fotografen: Rebekah Vardy auf dem Weg ins Gericht.

Noch ein kleiner Stop für die Fotografen: Rebekah Vardy auf dem Weg ins Gericht.

(Foto: Peter Nicholls/Reuters)

Als die gestreuten Köder über eine angebliche Rückkehr von Coleen ins Reality-TV und eine Überschwemmung der 20-Millionen-Pfund-Villa kurz darauf trotzdem in der Presse landen, scheint der Fall klar zu sein. Am 9. Oktober 2019 lässt "Wagatha Christie", wie Rooney seitdem genannt wird, die Bombe via Twitter platzen: Wer hat geplaudert? "Es war.... Rebekah Vardys Konto." Die Bloßgestellte wiederum streitet alles ab, obendrein weilt sie zu diesem Zeitpunkt hochschwanger im Urlaub, ganz schlechtes Timing für üble Nachrede. Deshalb klagt Vardy ihrerseits auf Schadenersatz. Sie habe keine andere Wahl gehabt, um "ihre Unschuld zu beweisen und ihren Ruf wiederherzustellen", sagte ihr Anwalt Hugh Tomlinson am Dienstag bei Prozessbeginn vor dem Londoner Gerichtshof Royal Courts of Justice. Es sei bekannt, dass andere Menschen wie PR-Profis auch Zugang zu privaten Accounts hätten. Sechs Tage sind für die Verhandlung angesetzt.

Du sollst nicht langweilen

Das oberste Gebot auf dem Boulevard, also irgendwie auch im Spielerfrauengeschäft, lautet bekanntlich: Du sollst nicht langweilen, und zumindest in dieser Hinsicht kann man beiden Parteien wirklich nichts vorwerfen. Die englische Öffentlichkeit schaut seit zweieinhalb Jahren fasziniert auf die Schlammschlacht, die sich beide Frauen liefern. Vardy schreibt ihrer PR-Beraterin umgehend nach der Enthüllung eine Textnachricht mit "Das ist Krieg!" und bezeichnet Rooney als "Nasty Bitch", die sich nicht so wichtig nehmen solle. Bedauerlicherweise kann just dieses Handy nicht mehr als Beweismaterial vorgelegt werden, weil es auf dem Grund der Nordsee liegt. Über Bord gegangen bei einem Bootsausflug - auch das schon wieder herrlich Christie-mäßig.

Spielerfrauen: Zu allem entschlossen: Coleen Rooney vor Prozessbeginn.

Zu allem entschlossen: Coleen Rooney vor Prozessbeginn.

(Foto: Eamonn M. McCormack/Getty Images)

Dafür dürften nun alle möglichen anderen Details aus der Vergangenheit beider Damen zu Tage gefördert werden. Versuche von gemeinsamen Bekannten und Beratern, die Sache außergerichtlich zu schlichten, hatten beide Seiten mehrfach abgelehnt. Sie benähmen sich wie zwei Passagiere, die in einem Zug sitzen, der mit voller Fahrt auf ein Kliff zusteuere, und sich trotzdem weigerten auszusteigen, hieß es.

Und die Männer? Die beiden Fußballstars, an deren Seite die Frauen überhaupt erst berühmt wurden? Die schweigen bislang wohlweißlich zur Sache. Vor allem Wayne Rooney hat ja eher schlechte Erfahrungen mit zu viel Redseligkeit gemacht. Legendär ist sein Autogramm an eine Prostituierte: "Für Charlotte. Ich habe dich am 28. Dezember genagelt. Alles Liebe. Wayne Rooney." Der 36-Jährige begleitete seine Frau ins Gericht und wird in den kommenden Tagen im Zeugenstand erwartet.

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