Spanien Königliche Schande

Seit mehr als drei Jahren ermittelt die Justiz gegen Iñaki Urdangarin wegen Korruptionsverdachts.

Die Villa von Iñaki Urdangarin sollte einer Königstochter würdig sein. Nun wird das Haus zum Pfand in einer Affäre, die den Ruf des spanischen Königshauses erschüttert. Aber nicht nur der Schwiegersohn von König Juan Carlos steht unter Verdacht.

Von Sebastian Schoepp

Sieben Zimmer, lichtdurchflutet, mehrere Bäder, Aufzug, natürlich Pool, schusssicheres Glas: Die Villa in Barcelonas schickem Stadtteil Pedralbes sollte einer Königstochter würdig sein. Doch nun wird sie zum Pfand in einer Affäre, die den Ruf des spanischen Königshauses erschüttert. Die Villa gehört Infantin Cristina und ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin, der in einer Korruptionsaffäre der Unterschlagung, der Geldwäsche und des Betrugs beschuldigt ist. Am Montag ordnete Ermittlungsrichter José Castro an, Immobilien von Urdangarin im Wert von sechs Millionen Euro zu beschlagnahmen - darunter die Hälfte der Villa, die dem royalen Schwiegersohn gehört.

Die andere Hälfte nennt Infantin Cristina ihr eigen, sie wird bisher nicht offiziell beschuldigt, obwohl es Indizien gibt, dass sie von den Geschäften ihres Mannes zumindest wusste. Die sechs Millionen Euro dienen als Sicherheit für die Kaution, die die Justiz Anfang des Jahres gegen Urdangarin und seinen ehemaligen Geschäftspartner verhängte. Da die beiden nie bezahlten, machte Richter Castro nun seine Drohung war und ließ beschlagnahmen.

Castro ermittelt seit mehr als drei Jahren gegen Urdangarin, weil der als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung Millionen öffentlicher Gelder für die Ausrichtung von Großsportereignissen und Kongressen kassiert haben soll, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Es war die Zeit des großen Geldes in Spanien, als der Immobilienboom das Land in den Größenwahn stürzte.

Urdangarin, als ehemaliger Profihandballer zwar prominent, aber nicht reich genug, um einer Königstochter den adäquaten Lebensstil zu bieten, verstrickte sich in dunkle Geschäfte. Als diese ans Licht kamen, schickte König Juan Carlos ihn nach Washington, wo er als Berater der Telefónica arbeiten sollte. Wegen des Verfahrens musste Urdangarin jedoch zurück, seither hält der Fall die spanische Presse auf Trab. Nach und nach wurde ein System korrupter Großmannssucht enthüllt, das zwischen 2000 und 2010 die Balearen und die Region um die Millionenstadt Valencia prägte. Mehrere Regionalpolitiker müssen sich im Zusammenhang mit der Urdangarin-Affäre verantworten.

Von königlichen Anlässen wurde Urdangarin längst verbannt. Seine Frau, die Königstochter, zog mit den Kindern nach Genf, wo sie von Gönnern einen gut dotierten Beratervertrag erhielt. Urdangarin versuchte vergangenen Sommer, als Hilfstrainer in Katar anzuheuern. Doch das Engagement scheiterte, weil er gar keinen Trainerschein besitzt.