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Spacey-Prozess:Kläger-Handy verschwunden - Spacey-Prozess wankt

Kevin Spacey

Kevin Spacey am 3. Juni 2019 bei einer Anhörung im Gerichtssaal.

(Foto: AP)

Kevin Spacey soll 2016 einen 18-Jährigen sexuell belästigt haben. Jetzt ist ein wichtiges Beweismittel verschwunden - zumindest zum Teil. Das könnte Folgen für den Prozess haben.

Es ist ein Hin und Her, das wenig durchsichtig ist - so wenig, dass jetzt das ganze Strafverfahren wankt. Im Mittelpunkt stehen die Vorwürfe gegen Kevin Spacey: sexuelle Nötigung und Körperverletzung an einem damals 18-Jährigen. Die beiden hatten sich 2016 in einer Bar auf einer Insel im US-Bundesstaat Massachusetts getroffen, der junge Mann war wohl ein großer Fan des berühmten Hollywood-Schauspielers.

Der heute 21-Jährige wirft Spacey vor, ihn dort am Penis begrapscht zu haben. Als Beweismittel wollte er im Gerichtsprozess ein Handy vorlegen, auf dem SMS-Nachrichten waren, die der Mann in derselben Nacht einer Freundin geschickt haben soll. Ein Richter hat den Mann schließlich aufgefordert, der Verteidigung sein Handy zu übergeben. Sein Anwalt gab an, man könne das Telefon nicht finden. Spaceys Anwälte hatten die Herausgabe gefordert. Die Verteidigung geht davon aus, dass der Kläger Nachrichten gelöscht habe, die Spaceys Unschuldsbeteuerungen untermauern würden.

Der Anwalt des jungen Mannes legte aber immerhin die Kopie des Inhaltes durch ein Back-up vor. Auch hier sollen jedoch der Verteidigung zufolge die Screenshots der Unterhaltungen manipuliert worden sein. Der Kläger bestreitet das. Die New York Times berichtet, dass die Mutter des Klägers im Gericht ausgesagt haben soll, bestimmte Inhalte, die sie als Mutter besorgt hätten, gelöscht zu haben, bevor sie das Telefon der Polizei übergab. Es sei um "frat boy"-Aktivitäten gegangen, ein Begriff, der auf törichtes oder sexistisches Verhalten in männlichen Studentenverbindungen in den USA verweist.

In einer neuesten Wendung hat der heute 21-Jährige schließlich vor Gericht seine Aussage verweigert. Unter Berufung auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung, der Zeugen davor schützt, sich selbst zu belasten, lehnte er eine Aussage am Montag ab. Zuvor war er zu eben jenen Textnachrichten befragt worden, die laut Verteidigung gelöscht worden sein sollen.

Die Entscheidung des Mannes, nicht auszusagen, sorgte bei dem Richter für Bedenken über die Durchführbarkeit des Prozesses gegen den 59 Jahre alten Spacey.

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