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Sondersynode der katholischen Kirche:Und sie bewegt sich doch nicht

Papst Franziskus

Der Reformer wird ausgebremst von den eigenen Leuten: Papst Franziskus.

(Foto: dpa)

Papst Franziskus hat 191 zölibatär lebende Bischöfe eingeladen, in Rom über Ehe, Familie und Sex zu diskutieren. Immerhin: Beraten werden sie dabei von einer Reihe von Frauen.

Nichts darf sich bewegen. Das sagt Gerhard Ludwig Müller, der Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, der dritthöchste Mann seiner katholischen Kirche. Er hat nun ein Buch herausgebracht, das sich so zusammenfassen lässt: Es darf keine Kompromisse geben bei der Lehre über Ehe, Familie, Sexualität. Sonst verkauft die Kirche die Wahrheit an den Zeitgeist. Ein letzter Versuch aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten ist? Oder eine Demonstration der Macht: Es gibt keine Reformen, basta?

Auf Einladung von Papst Franziskus reden von heute an 191 zölibatär lebende Bischöfe in Rom 14 Tage lang über Beziehungen und Sex, übers Kinderkriegen und Kindererziehen; einziger Vertreter der deutschen Bischofskonferenz ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Beraten werden sie immerhin von einer Reihe Frauen, darunter der Berliner Familienberaterin Ute Eberl.

Ehe und Familie galten lange als ausdiskutiert

Dass es diese Sondersynode zu Ehe und Familie überhaupt gibt, gehört zu den vielen Überraschungen, die der neue Papst seit eineinhalb Jahren in schneller Folge produziert. Das Thema galt als ausdiskutiert, die kirchliche Position festgelegt, der Graben zu den Gläubigen hingenommen.

Doch dann kündigte Franziskus die Synode an; mehr noch: Er lud die Gläubigen ein zu sagen, wie es aus ihrer Sicht um die Lehre steht, dass nur Sex innerhalb der heterosexuellen Ehe ohne künstliche Verhütungsmittel moralisch einwandfrei ist - und dass Geschiedene, die wieder heiraten, von den Sakramenten ausgeschlossen sind.

Das Ergebnis war erwartbar verheerend: Selbst fromme Katholiken hätten Schwierigkeiten, die kirchliche Lehre "ganz anzunehmen", heißt es im Vorbereitungsdokument für die Synode, dem "Instrumentum laboris".

Kirche überlegt, liberaler mit Geschiedenen umzugehen

Doch allzu viele Änderungen dürfte der Diskussionsprozess nicht bringen; Kardinal Marx hat bereits vor zu hohen Erwartungen gewarnt. In dem Vorbereitungspapier sind zwar alle kritischen Themen von Pille über Scheidung bis Homosexualität angesprochen, der Grundtenor aber lautet: Die Lehre ist richtig, nur verstehen sie die Gläubigen heute nicht mehr, die Kirche hat also nur ein Vermittlungsproblem.

So kreist die Reformdebatte letztlich nur um ein Thema:Soll die Kirche anders mit Geschiedenen umgehen, die wieder heiraten? Bislang sind sie von den Sakramenten ausgeschlossen. Auf Einladung des Papstes hat aber der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper im Frühjahr einen Vortrag gehalten, in dem er dafür plädierte, dass Katholiken in zweiter Ehe nach einer Einzelfallprüfung in einem Akt der Barmherzigkeit wieder zu den Sakramenten zugelassen werden. Doch selbst das ist strittig, wie das gerade veröffentlichte Müller-Buch zeigt.

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Wie soll die katholische Kirche mit geschiedenen Wiederverheirateten umgehen? Darüber will Papst Franziskus in wenigen Wochen mit den Bischöfen beraten. Fünf hochrangige Kardinäle fordern schon jetzt, dass der Vatikan seiner bisherigen Linie treu bleibt.

Viele Katholiken könnten enttäuscht werden

Was aber, wenn es am Ende viele warme Worte gibt - und nicht die kleinste Änderung in Lehre und Seelsorgepraxis? Dann dürften viele Katholiken sehr enttäuscht sein von dem Papst, in den sie bislang so viele Hoffnungen gesetzt haben. Der immerhin hat den Zeitpunkt der möglichen Enttäuschung weit nach hinten geschoben: Erst kommen die Beratungen in Rom, dann sollen die Bischöfe ein Jahr lang daheim mit den Gläubigen diskutieren, schließlich treffen sie sich wieder in Rom. Und danach erst muss der Papst entscheiden.

© SZ vom 04.10.2014/sosa
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