"Shutdown" Nationalparks außer Kontrolle

Kein Geld, keine Kontrolle. Und so verkommt auch der Joshua-Tree-Nationalpark.

(Foto: Mark Ralston/AFP)

Weil Präsident Trump den Haushaltsentwurf nicht unterschreibt, sind auch die Nationalparks von der Schließungen betroffen. Der Müll quillt über und Tiere leiden.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Der verrückteste Gegenstand, den Sabra Purdy bisher auf ihren Touren gefunden hat: ein Abschlussballkleid. Der häufigste Gegenstand: Champagnerflaschen. Unfassbar viele Champagnerflaschen, sagt die Ökologin. Klar, so kann das schon mal aussehen nach einer heftigen Silvesterparty. Allerdings geht es hier nicht um einen Nachtclub in Los Angeles.

Es geht um die kalifornischen Nationalparks Joshua Tree, Death Valley, Yosemite und Sequoia. Es stinkt zum Himmel, im wahrsten Sinne der Worte, an diesen Orten, weil die Leute nicht nur Abschlussballkleider und Flaschen hinterlassen, sondern auch Erbrochenes und Ausgeschiedenes - und weil wegen des sogenannten "Shutdowns" kaum jemand aufräumt.

Seit dem 22. Dezember steht der amerikanische Regierungsapparat still, weil Donald Trump sich weigert, einen Haushaltsentwurf zu unterschreiben, in dem nicht 5,6 Milliarden Dollar für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko vermerkt sind.

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Vom Shutdown sind knapp 800 000 Staatsbedienstete betroffen, und wer nicht in wichtigen Sparten wie etwa Grenzschutz und Sicherheit angestellt ist, der befindet sich nun im unbezahlten Zwangsurlaub - wie zum Beispiel die Beamten, die in Nationalparks dafür sorgen, dass Besucher Eintritt bezahlen, dass sie saubere Toiletten und leere Mülleimer vorfinden, dass sie sich benehmen.

Abseits der Straßen

Wer wissen will, wie sich Menschen aufführen, wenn niemand auf sie aufpasst, der sollte in einen der Nationalparks fahren. Die Leute fahren mit den Autos von den Straßen ab und in die Wildnis, weil sie wissen, dass sie niemand kontrollieren wird. Berichten zufolge bietet sich ein postapokalyptisches Szenario.

Die Leute fällen Bäume. Sie lassen ihre Hunde von der Leine. Sie machen Lagerfeuer an gefährlichen Stellen. Sie werfen ihren Müll, wohin es ihnen passt. Aufgrund der geschlossenen Toiletten erleichtern sie sich, wo immer es ihnen gefällt.

Erbrochenes, Flaschen, Kleider

Und weil aufgrund der fehlenden Kontrollen an Silvester jeder ohne Eintritt an diese wunderbaren Orte fahren konnte, feierten die Leute an diesem Tag auch, wo immer es ihnen passte. Sie erbrachen sich auch dort, und Champagnerflaschen und Abendkleider ließen sie einfach liegen.

Im Yosemite Nationalpark könnte am 25. Dezember sogar ein Mann gestorben sein, weil wegen des Shutdown kaum Ranger im Dienst waren und möglichweise dann zu spät kamen - so spekuliert zumindest das Outdoor-Magazin Outside.

"Wir haben in den vergangenen zwei Wochen getan, was wir konnten", sagt Sabra Purdy, die als Ökologin geführte Cliffhanger-Touren durch Joshua Tree anbietet und nun gemeinsam mit etwa 40 Freiwilligen versucht, zumindest den gröbsten Müll zu beseitigen.

"Lange halten wir das allerdings nicht mehr durch." Der Haushaltsstreit kommt zur denkbar ungünstigen Zeit für die Nationalparks, es ist gerade Ferienzeit in den USA, die Leute kommen von überall her und wollen diese einmalige Natur erleben - bei freiem Eintritt noch viel mehr als sonst.

Beim Shutdown vor fünf Jahren wurden die Nationalparks geschlossen, nun blieben sie erst einmal geöffnet. "Es ist schrecklich", sagt Purdy, die ihre Erlebnisse mittlerweile in einem Artikel für die Washington Post zusammengefasst hat.

Reißt euch zusammen!

Die Behörde National Parks Conservation Association (NPCA) schätzt, dass die mehr als 300 Millionen Touristen pro Jahr in den US-Nationalparks und den umliegenden Regionen mehr als 18 Milliarden US-Dollar ausgeben. Es lässt sich nun schwer schätzen, wie hoch die Ausfälle aufgrund des Haushaltsstreits sein werden, weil Besucher ja dennoch Hotels buchen und Restaurants besuchen.

Vorsichtigen Schätzungen zufolge dürfte alleine der wirtschaftliche Schaden für die Nationalparks bislang im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. "Für Parks wie Joshua Tree ist das ein riesiges Problem", sagt NPCA-Managerin Kristen Brengel. "Es ist natürlich auch nicht gut für die Tiere und die Umwelt, wenn die Leute machen, was immer sie wollen."

Die Verantwortlichen von Joshua Tree haben mittlerweile die Campingplätze gesperrt. Eine wohl eindeutige Botschaft an Besucher, auf die wegen des Shutdowns niemand aufpassen kann: Reißt euch zusammen!

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