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Sexskandal in Texas:Prostitution auf Militärbasis aufgedeckt

Ausgerechnet der Organisator des Präventionsprogramms gegen sexuelle Belästigung rekrutierte auf dem Stützpunkt Ford Hood Soldatinnen als Prostituierte. Das örtliche Militärgericht verurteilte jetzt einen Soldaten - Sex hatte dieser angeblich nicht.

Ein Fall von sexuellen Übergriffen beim US-Militär erregt derzeit Aufsehen in Amerika. Auf der texanischen Militärbasis Fort Hood sollen Soldaten einen Prostitutionsring organisiert und so aus der finanziellen Not ihrer Kolleginnen Profit geschlagen haben. Besonders pikant ist, dass ausgerechnet der Mann, der das Präventionsprogramm gegen sexuelle Übergriffe auf dem Stützpunkt organisierte, die Soldatinnen angesprochen und auf seinem Handy Fotos für potenzielle Freier gespeichert haben soll.

Aufgedeckt wurde der Prostitutionsring im Zuge von Ermittlungen gegen Master Seargent Brad Grimes, der beschuldigt wurde, sexuelle Dienste in Anspruch genommen zu haben. Ein Militärgericht entschied am Dienstagabend über Grimes, der seit 17 Jahren der Armee angehört und in Afghanistan sowie im Irak stationiert war.

Laut Huffington Post verurteilte die Jury ihn wegen Zuhälterei, geplanter Anstiftung zur Prostitution, Ehebruch und Anstiftung zum Ehebruch. Die Jury erklärte US-Medienberichten zufolge in der Urteilsverkündung, Grimes habe gewusst, dass es sich um Prostitution handle, auch wenn er nicht mit der Soldatin geschlafen habe. Er wurde scharf gerügt und im Rang zurückgestuft, damit blieb der Richterspruch hinter dem Höchstmaß zurück. Grimes hatten eine unehrenhafte Entlassung aus der Armee und bis zu ein Jahr Gefängnis gedroht.

"Letztlich hat er das Richtige getan"

Der Strafverteidiger Daniel Conway sagte, sein Mandant habe "letztlich das Richtige getan und sich gegen den Sex mit der Soldatin entschieden". Er sieht Grimes als Bauernopfer, weil dieser sich geweigert hatte, gegen seinen Kollegen auszusagen. Die sechsköpfige Jury bezog sich auf diverse SMS-Nachrichten und Telefonate zwischen Grimes und dem Gleichstellungsbeauftragten, der Inhalt wurde nicht veröffentlicht. Es gebe keine Beweise, dass sein Mandant ein Verbrechen begangen habe, sagte Conway.

Nach Aussage einer jungen Soldatin habe Grimes ihr Mitte Februar diesen Jahres 100 US-Dollar bezahlt, um mit ihr in einem Hotel nahe der Militärbasis Sex zu haben. Sie sagte ebenfalls aus, dass der Organisator des Programms gegen sexuelle Übergriffe sie für den Prostitutionsring des Stützpunktes rekrutiert hatte. Fort Hood ist mit 880 Quadratkilometern Fläche einer der größten Stützpunkte der USA. Dort leben und arbeiten 30.000 Soldaten.

Die Ermittlungen gegen den Organisator des Prostitutionsringes laufen noch, er wurde von seinem Amt als Chef des Programms gegen sexuelle Übergriffe suspendiert - auch wegen des Verdachts, Soldatinnen sexuell belästigt zu haben.

26.000 Soldaten wurden 2012 sexuell belästigt

Als im Juni bekannt wurde, dass Anklage gegen Brad Grimes erhoben wird, war die Aufregung groß. Die Skandale wegen sexueller Übergriffe im US-Militär häufen sich. Aufgebrachte Bürger und Politiker fordern von den Mitgliedern des Kongress und US-Präsident Barack Obama schnelles Handeln, um der zahlreichen sexuellen Übergriffe in den US-Streitkräften Herr zu werden.

Kurz nachdem die Anklage gegen Grimes erhoben worden war, lehnte der US-Kongress einen Gesetzesvorschlag ab, der das Justizsystem der Streitkräfte überprüfen sollte - und hochrangigen Militärs die Entscheidung abgesprochen hätte, ob Fälle von sexueller Belästigung vor Gericht gehen oder nicht.

Nach einer aktuellen Studie des Pentagons sollen im vergangenen Jahr 26.000 Mitglieder des Militärs Opfer sexueller Übergriffe gewesen sein. 2011 waren es 19.000 Soldaten, die in der anonymen Befragung angaben, belästigt worden zu sein.

© Süddeutsche.de/angu/leja/sks

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