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Schwarzenegger-Autobiografie "Total Recall":Lohnende Lektüre

Wenn es im Buch um seine Anfänge als Schauspieler geht, vergleicht er diese mit seiner Zeit als Bodybuilder; es sei ihm, dem Einzelkämpfer, schwergefallen "die Kontrolle aus der Hand zu geben". Später, wenn er über sein politisches Image reflektiert ("die meisten Leute glauben im Grunde, dass ein Schauspieler wirklich so ist wie im Film"), bezieht er sich wiederum auf seine Hollywood-Karriere. Erst die Muskeln, dann die Actionfilme, schließlich der Job als Gouvernator mit Zigarrenzelt vorm Amtssitz - all das ist Schwarzenegger. Zu alldem bekennt er sich heute noch, auf die gleiche laute Art, die ihn damals, vor vier Jahrzehnten, in die Talkshows brachte.

Arnold Schwarzenegger wird 65

I'll be back

Die ersten Kapitel des Buchs dominieren Variationen des Satzes: Warum ich zu Großem bestimmt war. Später wird daraus: Wie ich große Dinge tat. Man muss diese durch keine Ironie gebrochene Form der Selbstliebe nicht goutieren; nicht die orgiastisch zuckenden Muskelberge, nicht die Oben-Ohne-Filme wie "Conan der Barbar", nicht die ganze hemdsärmelige Inszenierung. Wer die schwitzige Moral vieler sogenannter People-Journalisten teilt, kann dem Mann auch jetzt noch vorhalten, was er mit etlichen amerikanischen Politikern, darunter einigen Nationalheiligtümern, teilt: ein chaotisches Privatleben. Doch damit würde man das, was im Buch zu Recht nur ein Kapitel ausmacht, über alles andere stellen. Das wäre so unfair wie dumm.

Denn in "Total Recall" steckt auch viel Spannendes, kaum Bekanntes. Etwa, dass das Simon Wiesenthal Center Schwarzenegger in den Achtzigern half, gegen das Gerücht, er vertrete "glühende nationalsozialistische und antisemitische Ansichten", anzugehen. Und dass dieses Gerücht damals von der britischen Zeitung News of the World in die Welt gesetzt wurde, jenem Schmierenblatt, das 2011 wegen seiner illegalen Abhörmanöver eingestellt wurde.

Oder der Kennedy-Clan. Schwarzenegger verbeugt sich zwar an vielen Stellen im Buch vor der übermächtigen Familie seiner Ex-Frau Maria Shriver, vor allem vor seinen Schwiegereltern Eunice und Sargent. Doch er beschreibt auch den extremen Ehrgeiz, den Willen zum kollektiven Erfolg, die wie geklont wirkenden Ansichten. Die Kennedys, diese Posterfamilie des Ostküstenestablishments, waren selbst Arnie, dem höchstmotivierten aller motivierten US-Immigranten, leicht suspekt.

Auch sonst lohnt die Lektüre, dieses Buch eines Mannes, dessen Leben wie ein Film war, den sich keiner hätte ausdenken können. Es sei denn, er hätte denselben irren Pump gekannt, den der junge Arnold Schwarzenegger damals nicht nur beim Training, sondern Tag und Nacht gefühlt hat. Aber wer will das schon?