Sascha Hehn wird 60 Lernen vom schönen Doktor

Hach, Udo: Wenn es nach den Zuschauerinnen ging, konnten Volker Brandt (l.) und Klausjürgen Wussow (M.) ihre weißen Kittel einpacken. Sie hatten nur Augen für Sascha Hehn.

(Foto: Imago Stock&People)

Sascha Hehn hat vorgemacht, wie man vom Sexfilm-Darsteller zu Schwiegermutters Liebling wird: Seit der "Schwarzwaldklinik" verzückt er sein weibliches Publikum. Nun feiert der Schauspieler 60. Geburtstag. Was wir von Dr. Brinkmann gelernt haben.

Von Carolin Gasteiger und Oliver Klasen

Angefangen hat alles mit der Schwarzwaldklinik: Auch wenn Sascha Hehn davor schon auf der Leinwand zu sehen war. Aber erst als Dr. Udo Brinkmann wurde er einem Millionenpublikum bekannt. Nun feiert er 60. Geburtstag. Vier Dinge, die wir von Sascha Hehn gelernt haben.

  • Wie man als Sexfilm-Darsteller zu Schwiegermutters Liebling wird

Sascha Hehn hat zu Anfang seiner Karriere in ein paar schlüpfrigen Filmchen mitgespielt; sie trugen Titel wie Mädchen beim Frauenarzt, Hausfrauen-Report oder Blutjung und liebeshungrig. Es war die Aufklärungswelle der Siebziger. Geschadet hat das Hehn nie. Im Gegenteil: Er bekam die Rolle bei der Schwarzwaldklinik und fiel als smarter, immer leicht schmieriger, aber doch verwegener Dr. Udo Brinkmann auf in der ansonsten kreuzbraven Serie.

Bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen in den Achtzigern vor dem Fernseher. Hehn verkörperte die Rolle des schönen Doktors perfekt, vielleicht gerade wegen seiner Sexfilm-Vergangenheit. Und die Schulmädchenreports? Die hatten auch die ZDF-Zuschauer ohnehin alle gesehen. Heimlich jedenfalls.

  • Wie man richtig ins Cabrio springt

Na klar, was passt besser zu einem smarten, verwegenen Arzt als ein Sportcabrio? In dem cruiste Sascha Hehn als Dr. Udo Brinkmann herum. Es war ein Einsergolf. In Weiß. So ein Auto zu fahren, sieht ja immer latent peinlich aus. Aber nicht bei Hehn, dem Schwarzwald-Gigolo. Im hellblauen Sakko, mit perfekt wallendem Haar, hielt er beim Fahren schon mal eine Rose für die Geliebte zwischen den Zähnen.

Und Hehn setzte noch eins drauf. Er weigerte sich, die Tür seines Fahrzeugs zu benutzen - und sprang einfach hinein. Mal mit Anlauf von der Seite, mal von schräg vorne über die Motorhaube. Wenn er dann mit Karracho und durchdrehenden Reifen vom Gelände der Brinkmann-Villa fuhr, wirbelte das mächtig Staub auf.

  • Wie man auch als Schnulzentyp Selbstironie beweist, ...

In den meisten seiner Filme gab Sascha Hehn den Beau - die Titel sprechen für sich: Wilder Kaiser, Eine Liebe auf Mallorca oder Ein Engel für Felix hießen die neueren Filme. Doch bei so viel Playergehabe schien Hehn die Experimentierfreude bei der Rollenauswahl verloren zu haben.

Mut zur Selbstironie: Sascha Hehn in Lerchenberg.

(Foto: ZDF/Jan Rasmus Voss)

Doch mit Lerchenberg überraschte Sascha Hehn Kritiker und Publikum gleichermaßen. In der ZDF-Serie (mit der auch der Sender wiederum sein Publikum überraschte) spielt er quasi sich selbst - einen Schauspieler, bei dem es nicht mehr richtig läuft und der von seiner ehemaligen Geliebten verzweifelt im Sender herumgereicht wird. "Mit den Augen und wie er dann so guckt", schwärmt eine Figur der Serie. Das hätte auch von einem Schwarzwaldklinik-Fan stammen können. Aber in Lerchenberg ist Hehn tatsächlich auch lustig - und beweist Selbstironie.

  • ... sie aber auch wieder ablegt

Aber Lerchenberg funktionierte für Hehn irgendwie nicht ohne einen sicheren Anker. In seinem Fall: Das Traumschiff, auf dem er fast zeitgleich als Kapitän anheuerte. Mit Traumschiff, quasi der Altherrendampfer unter den TV-Serien, schippert Hehn wieder zurück zu gewohnten Ufern: Adrett in Uniform gekleidet verzückt Chefsteward Victor alle Schwiegermütter und -töchter, die ihn seit der Schwarzwaldklinik schmerzlich vermisst hatten.

Gaststars des ZDF-Traumschiffs

Willkommen auf dem "Mumienschlepper"

Also doch ein selbstverliebter Schnulzentyp? Vielleicht kriegt Sascha Hehn ja nochmal die Kurve: Soeben haben die Dreharbeiten zur zweiten Staffel von Lerchenberg begonnen.