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Flugzeugunglück in Russland:Ermittler rätseln über Absturzursache

Mehr als 40 Tote, darunter eine komplette Eishockey-Mannschaft: Nach dem Absturz eines Passagierflugzeuges trauern Fans vor dem Stadion in Jaroslawl um die verunglückten Spieler. Die Hintergründe des Unglücks sind weiter unklar. Ein Insider vermutet, dass die Maschine aus Sowjet-Zeiten mit minderwertigem Flugbenzin aufgetankt worden sei.

Nach dem Flugzeugabsturz mit mehr als 40 Toten in Russland haben Rettungskräfte fast alle Leichen geborgen. Taucher seien insgesamt 30 Mal in die Wolga gestiegen, in die Teile der Maschine gestürzt waren, teilte das Zivilschutzministerium nach Angaben der Agentur Interfax mit. Unter den Opfern ist auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich. Er war mit seinen Teamkollegen vom russischen Erstligisten Lokomotive Jaroslawl auf dem Weg zum Auswärtsspiel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

FLUGZEUGABSTURZ Dutzende Tote bei Flugzeugabsturz Video
Russland

Dutzende Tote bei Flugzeugabsturz

In der Nähe der russischen Stadt Jaroslawl ist eine Passagiermaschine verunglückt. Mehr als 40 Menschen sollen ums Leben gekommen sein.

Nach Behördenangaben haben von den 45 Insassen - 37 Passagiere und acht Besatzsmitglieder - nur ein russischer Spieler sowie ein Crew-Mitglied mit schwersten Verletzungen überlebt. Ihr Zustand ist nach Angaben des zuständigen Krankenhauses weiter kritisch. Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti hatte berichtet, der Eishockey-Profi Alexander Galimow sei bereits am Mittwoch operiert worden und liege im Koma. Er habe Verbrennungen am ganzen Körper.

Betankt mit minderwertigem Kerosin?

Den Angaben zufolge geriet das Flugzeug kurz nach dem Start in Jaroslawl - etwa 300 Kilometer nordöstlich von Moskau - in Schwierigkeiten und stürzte nur 500 Meter vom Flughafen entfernt nahe der 600.000-Einwohner-Stadt am Ufer der Wolga ab. Angeblich gewann die Maschine nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl nicht schnell genug an Höhe, streifte eine Antenne und zerschellte dann am Boden.

Die Ermittler schickten die Flugschreiber zur Untersuchung nach Moskau. Die wahrscheinlichste Unglücksursache sei, dass eines der Triebwerke ausgefallen sei, sagte ein namentlich nicht genannter Flughafenmitarbeiter zu Interfax. Ria Nowosti zitierte einen Mitarbeiter der Luftfahrtindustrie, nach dessen Ansicht das Flugzeug mit minderwertigem Treibstoff betankt worden sei.

In der Maschine vom Typ Jak-42, die noch aus der Sowjet-Zeit stammt, reiste die Eishockey-Mannschaft des russischen Erstliga-Vereins Lokomotive Jaroslawl. Der 25 Jahre alte deutsche Nationalspieler Robert Dietrich war neu in dem Kader. Der im heutigen Kasachstan geborene Verteidiger spielt erst seit diesem Jahr bei Lokomotive Jaroslawl. Dietrich war vor seinem Wechsel nach Russland in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zuletzt bei den Adlern Mannheim unter Vertrag.

"Wahnsinnige Tragödie"

"Das ist auf jeden Fall eine wahnsinnige Tragödie für uns alle", sagte Franz Reindl, der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), dem Sport-Informations-Dienst zum Tod des Eishockey-Profis. Auch Nationaltrainer Uwe Krupp zeigte sich schockiert. DEB-Präsident Uwe Harnos erreichte die Nachricht im Urlaub. "Das ist furchtbar", sagte er.

Neben dem Deutschen gehören weitere namhafte Spieler zum Kader von Lokomotive Jaroslawl, darunter der schwedische Eishockey-Profi Stefan Liv und die Tschechen Josef Vaicek und Jan Marek. Der Team-Manager Juri Lukin sagte der Sportnachrichtenagentur R-Sport, er befinde sich am Flughafen in Jaroslawl. "Ich weiß nicht, was sie in den Nachrichten sagen, aber das hier ist sehr ernst."

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin entsandte den Verkehrsminister an die Absturzstelle. Kremlchef Dmitrij Medwedjew wollte an diesem Donnerstag zur Absturzstelle reisen.

Der Präsident hatte bereits zuvor angekündigt, alte, noch aus Sowjetzeiten stammende Flugzeuge von Beginn des kommenden Jahres an aus dem Verkehr ziehen zu wollen. Die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge vom Typ Jak-42 sind seit 1980 im Einsatz: Vor allem russische Fluglinien setzen die Maschinen auch heute noch ein.

Allein in den vergangenen zwei Jahren sind etwa 200 Menschen bei Flugzeugabstürzen in Russland ums Leben gekommen.