Heiligabend Weihnachtsgottesdienst nur mit Eintrittskarte

Aufwendig gestaltet und stark nachgefragt: die Eintrittskarten für die Weihnachtsgottesdienste in Essen-Haarzopf.

(Foto: dpa)
  • Weil sich bei den Heiligabend-Gottesdiensten im vergangenen Jahr tumultartige Szenen abgespielt haben sollen, versucht sich eine Essener Kirche an einer ungewöhnlichen Lösung.
  • Vorab müssen Karten reserviert werden, für alle Gottesdienste bis auf den nächtlichen um 23 Uhr.
  • Nicht alle Gemeindemitglieder freut das.

Vor der evangelischen Kirche im Essener Stadtteil Haarzopf müssen sich vergangenes Jahr zum Weihnachtsfest chaotische Szenen abgespielt haben. Gläubige, die sich vor der Pforte des Gotteshauses drängten und um Einlass ersuchten, aber abgewiesen wurden wie Berlintouristen, die am Türsteher des Berghains scheitern.

Grund dafür war aber keineswegs willkürliche Auslese. Keiner der abgewiesenen Gottesdienstbesucher bekam ein: "Sorry, heute nur für Stammgäste" oder "Du kommst hier nicht rein" zu hören. Es waren schlicht zu wenig Plätze vorhanden. Die Kirche war tatsächlich "wegen Überfüllung geschlossen".

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Pastorin Anne Simon zufolge soll es am Eingang sogar zu Wortgefechten und Pöbeleien gekommen sein, sagte sie der Nachrichtenagentur epd. Solcherart unchristliche Szenen sollen sich nicht wiederholen, so die Pfarrerin. Dafür will die Kirchengemeinde sorgen - mit einem effizienteren Sitzplatzmanagement. Für den Heiligabend sollen Eintritsskarten ausgegeben werden. Sie seien selbstverständlich kostenlos, sagt Simon, aber sie garantieren einen Sitzplatz im Inneren des Gotteshauses. Die Karten seien im Gemeindebüro oder nach den Adventsgottesdiensten beim Gemeindevorstand zu erhalten.

Exakt 333 Plätze bietet die Kirche Haarzopf, noch einmal 170 Gläubige das Gemeinezentrum Fulerum. Offenbar sind die Protestanten in Essen sehr eifrige Kirchgänger. Denn für die 2900 Mitglieder der Gemeinde werden an Heiligabend gleich fünf Gottesdienste angeboten, drei in der Kirche, um 14.30, 16.00 und 18.00 Uhr sowie zwei im Gemeindezentrum, um 14.30 und 16.00 Uhr. Auf der Website kann man den Sitzplatzstatus sehen. Stand Donnerstagnachmittag: drei von fünf Messen sind bereits ausgebucht.

Lediglich die Christmette um 23 Uhr im Gemeindezentrum sei von der Eintrisskartenregelung ausgenommen, weil um diese Uhrzeit erfahrungsgemäß nicht so viele Menschen kommen. Und wer keine Karte für Heiligabend mehr bekommt, der könne ja auch am Ersten Weihnachtsfeiertag in den Gottesdienst kommen, sagt die Pastorin.

Seit dem die Kirche in Essen-Haarzopf vor einigen Tagen die Eintritsskartenregelung beschlossen hat, ist die Gemeinde in Wallung. So sehr, dass die Pastorin sich gezwungen sah, sich an diesem Donnerstag mit einem offenen Brief im Internet zu erklären. Man wolle "Enttäuschung, Ratlosigkeit und Ärgernis" in diesem Jahr unbedingt verhindern, heißt es dort.

Ihr sei bewusst, dass das Prozedere die Gemeinde ungewöhnlich sei, so Simon. Aber die Sicherheitsauflagen, die in Nordrhein-Westfalen unter dem Eindruck des Loveparade-Unglücks im Jahr 2010 verschärft wurden, machten da strenge Vorgaben, was die Höchstzahl der Besucher und die Rettungswege angehe.

Allerdings regt sich ziviler Ungehorsam in der Kirchengemeinde gegen die Reservierungspflicht. Einige Gemeindemitglieder haben schon angekündigt, ohne Eintrittskarte kommen zu wollen.

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