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Rot am See:26-Jähriger soll sechs Familienangehörige getötet haben

  • Nach den Schüssen in Rot am See mit sechs Toten kann die Polizei bislang noch keine Angaben zum Motiv machen.
  • Alle Opfer seien Familienangehörige des Verdächtigen. Zwei Personen wurden verletzt, eine davon schwebt noch in Lebensgefahr.
  • Eine erste Befragung des Verdächtigen werde es geben, wenn der Rechtsanwalt auf der Dienststelle sei.

Es ist ein unscheinbares Haus, dieses Gebäude in der Bahnhofstraße in Rot am See im Nordosten von Baden-Württemberg, in dem sich am Freitagmittag Tragisches abgespielt hat: gelber Sandstein, eine Gaststätte im Erdgeschoss, Kleinstadtidylle. Auf Fotos, die am Freitagnachmittag in den Nachrichten verbreitet werden, deuten nur das rot-weiße Absperrband und die Polizeiautos vor dem Eingang an, was hier wenige Stunden zuvor passiert ist: Schüsse sind gefallen, zwei Menschen wurden verletzt, sechs sind ums Leben gekommen.

In Rot am See mit seinen knapp 5400 Einwohnern zerbricht an diesem Tag die Normalität: Um 12.45 Uhr wird die Polizei alarmiert und startet einen Großeinsatz. Man sei "mit starken Kräften" vor Ort, teilen die Polizei über Twitter mit. Und kurze Zeit später: Ein Tatverdächtiger sei festgenommen. "Wir gehen von einem Familiendrama aus", gibt Reiner Möller, Chef des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen, am späten Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt. Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger Mann, habe seine Mutter und seinen Vater sowie vier weitere Personen erschossen. Die Polizei geht davon aus, dass er auch zu den weiteren Opfern in einem familiären Verhältnis stand - Genaueres müsse noch geklärt werden.

Der junge Mann habe nach der mutmaßlichen Tat selbst die Polizei angerufen und mitgeteilt, "dass er in Rot am See mehrere Menschen erschossen habe", so Möller. Neun Minuten später sei er vor der Gaststätte von Polizeibeamten festgenommen worden. Er kam selbständig aus dem Gebäude. Die Waffe ließ er drinnen.

Keine Aussagen ohne Anwalt

Geschossen habe der Mann, der bisher nie polizeilich in Erscheinung getreten sei, mit einer halbautomatischen Pistole, für die er als Sportschütze eine Genehmigung hatte. Die Opfer waren laut Polizei drei Männer im Alter von 36, 65 und 69 Jahren und drei Frauen im Alter von 36, 56 und 62 Jahren. Zwei weitere Erwachsene wurden verletzt, zwei Jugendliche im Alter von zwölf und 14 Jahren, die ebenfalls in dem Gebäude waren, wurden laut Polizei "bedroht", kamen aber offenbar unverletzt davon. Sie würden psychologisch betreut.

Nachdem sich der 26-Jährige gestellt hatte, wollte er ohne Anwalt keine weiteren Aussagen machen, weshalb ihn die Polizei am Nachmittag noch nicht vernehmen konnte. "Zum Motiv können wir bis dato nichts sagen", fasste der Polizeipräsident die dürftige Informationslage zusammen.

Auch der Tathergang war am Freitag noch unklar. Die Polizei hatte zwei der Toten in der Gaststätte gefunden, vier außerhalb. Einige der Opfer und auch der mutmaßliche Täter wohnten laut Polizei in dem Gebäude, das zum Schauplatz der tödlichen Schüsse wurde. Nur zwei der Toten lebten offenbar nicht in der Gemeinde Rot am See.

Bürgermeister Siegfried Gröner sagte: "Das war eine ganz normale Familie mit einer gut gehenden Gaststätte", diese sei vor allem bei jungen Leuten und Sportlern beliebt gewesen. Sie öffnet immer erst am Abend, Betreiber war der Vater des mutmaßlichen Täters.

© SZ.de/dpa/fie/vs
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